Private Pflegezusatz­versicherungen

In den meisten Pflegesituationen reichen die Leistungen der Pflege- und Krankenkassen nicht aus, um alle Kosten zu decken. Es bleibt zumeist ein oft nicht unerheblicher Eigenanteil, der aus Einkommen, Rente oder Erspartem geleistet werden muss. Um diese Zusatzkosten abzudecken, bieten zahlreiche Versicherer zusätzliche Pflegeversicherungen an. Wir stellen Ihnen die vier wichtigsten Modelle vor. Unten finden Sie die Ergebnisse zweier Tests von Handelsblatt und Stiftung Warentest zusammengefasst.

Vier Grundarten von Pflegezusatzversicherungen

Um vorzusorgen für den möglichen Pflegefall, können Interessierte eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Die Angebote der Versicherer sind vielfältig und recht unterschiedlich – grob lassen sich vier Modelle von Pflegezusatz-Versicherungen ausmachen:

  1. Pflegetagegeld-Versicherung,
  2. Pflegekosten-Versicherung,
  3. Pflege-Rentenversicherung
  4. Staatlich bezuschusste sogenannte Pflege Bahr.

Pflegetagegeld-Versicherung

Im Falle einer Pflegetagegeld-Versicherung zahlt Ihnen Ihre Versicherung einen vorab vereinbarten festen Geldbetrag aus, wenn Sie pflegebedürftig werden. Den vollen Tagessatz erhalten Sie allerdings nur ab einem bestimmten Pflegegrad. Ihr Vorteil: Über das ausgezahlte Geld können Sie frei verfügen. Mehr erfahren Sie hier.

Pflegekosten-Versicherung

Hier erhalten Sie kein Tagegeld ausgezahlt, stattdessen erstattet Ihnen die Versicherung nur die tatsächlich anfallenden Pflegekosten. Dabei gibt es zwei Modelle: Entweder werden die Leistungen um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt, oder die Restkosten werden teilweise oder ganz gedeckt. Für weiter Infos zur Pflegekosten-Versicherung hier entlang.

Pflege-Rentenversicherung

Im Gegensatz zu den bereits vorgestellten Varianten zahlen Sie bei einer Pflege-Rentenversicherung über die gesamte Laufzeit einen festen Betrag, der sich nicht erhöhen kann. Dafür ist dieses Modell jedoch von Anfang an teurer. Lesen Sie mehr.

Pflege Bahr

„Pflege Bahr“ ist ein staatlich gefördertes Pflegetagegeld-Modell. Bei dieser Variante wird keine Gesundheitsprüfung durchgeführt, da niemand abgelehnt werden darf. Sofern Sie mindestes 10 Euro im Monat einzahlen, haben Sie einen Anspruch auf 60 Euro im Jahr. Bei Pflegegrad 5 erhalten Sie ein Pflegegeld-Betrag von mindestens 600 Euro pro Monat. Allerdings reicht das ausgezahlte Tagegeld oft nicht aus, daher bieten viele Versicherer Kombi-Modelle an. Hier geht’s zur Pflege Bahr.

Mehrheit wird im Laufe des Lebens pflegebedürftig

Wie bei vielen anderen Versicherungen wird hier ein Risiko abgesichert. Tritt also der Pflegefall nicht ein, ist das Geld umsonst angelegt gewesen. Allerdings: Schon 2011 wurden laut Statistik jeder zweite Mann und nahezu drei von vier Frauen im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig (Barmer GEK Pflegereport). Tendenz steigend.

Es handelt sich also um die Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die sich wohl in der Zukunft mit Pflegeleistungen beschäftigen wird. Ein Blick auf die bestehenden Möglichkeiten der privaten Zusatzvorsorge mögen sich unter diesen Umständen lohnen. Der Eigenanteil beispielsweise bei vollstationärer Pflege übersteigt nicht selten 2.000 Euro. Ein Betrag, der dann durch Rente, Vermögen oder Angehörige aufgebracht werden muss. 

Pflegezusatzversicherungen in Tests und Vergleichen

Um Ihnen eine kleine Hilfestellung zu geben bei der Auswahl der verschiedenen Versicherungsmodelle und -tarife, haben wir für Sie zwei Tests kompakt zusammengefasst. Getestet wurden Tarife der Pflegetagegeld-Versicherung, welche die populärste unter den Pflegezusatzversicherungen ist. Bei einem Test 2018 hat unter anderem das Handelsblatt mitgewirkt. Anfang 2020 hat die Stiftung Warentest ähnliche Tarife ausgewertet. 

Vergleichstest im Handelsblatt

Das renommierte Analysehaus Franke und Bornberg nahm 2018 in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt 30 private Pflegezusatzversicherungen unter die Lupe. Geprüft wurden die angebotenen Pflegetagegeld- beziehungsweise Pflegemonatsgeld-Tarife. Zwölf Tarife erhielten die Note „sehr gut“, weitere sieben wurden mit „gut“ bewertet. Sechs Tarife kamen nicht über ein „ausreichend“ hinaus.
Für die Prüfung erfanden die Experten zwei Musterkunden, die bei Versicherungsbeginn 45 und 60 Jahre alt sowie ledig sind. Anschließend wurden die Angebote der Versicherer (Preise, Leistungen und Konditionen) für diese beiden Kunden bewertet und verglichen.

Sieger dieses Vergleichs wurde die INTER Versicherungsgruppe, der die Experten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigten. Die beiden Musterkunden zahlen hier jeweils einen moderaten monatlichen Beitrag von 62,04 beziehungsweise 124,42 Euro und erhalten je nach Pflegegrad und Art der Betreuung (ambulant oder stationär) zwischen 150 und 1.500 Euro. Zudem zahlt der Versicherer bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit einmalig 5.000 Euro aus. Diese Einmalzahlung ist jedoch je nach Tarif an unterschiedliche Voraussetzungen geknüpft.
Den zweiten Platz konnte die Nürnberger Versicherung erobern. Sie bietet die gleichen Leistungen wie die INTER, kostet aber den 60-jährigen Musterkunden sieben Euro mehr im Monat.
Die Bronzemedaille geht an Barmenia. Sie bietet etwas geringere Leistungen in den mittleren Pflegegraden und auch eine kleinere Summe bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit (3.750 Euro). Dafür schlägt sie aber auch mit niedrigeren Monatsbeiträgen zu Buche, und zudem erhalten Versicherte mit Pflegegrad 1 eine deutlich höhere Leistung. Im Rahmen einer Kooperation hat die Johanniter-Unfall-Hilfe eine zentrale Servicehotline für Kunden von Barmenia eingerichtet.

Test von der Stiftung Warentest

Im Februar 2020 hat auch die Stiftung Warentest einen Test von Pflegezusatzversicherungen veröffentlicht. Geprüft wurden 33 Pflegetagegeld- und Pflegemonatsgeld-Tarife.
Auch dieser Test basiert auf den Angeboten der Versicherungen für zwei Musterkunden: einen 45-jährigen und einen 55-jährigen. Testsieger unter den Tarifen für den 45-jährigen Kunden und einziger Kandidat mit der Note „sehr gut“ wurde HanseMerkur (1,5). Dicht gefolgt wird er von den Angeboten der Deutschen Familienversicherung (DFV) und der Deutschen Krankenversicherung (DKV), die beide die Note 1,6 („gut“) erhielten.
Bei den Tarifen für den 55-jährigen Kunden konnte die Deutsche Familienversicherung das Rennen für sich entscheiden, ebenfalls mit der Note 1,6 („gut“). Zweiter wurde die Deutsche Krankenversicherung, den dritten Platz erhielt die HanseMerkur – beide mit der gleichen Note wie die Erstplatzierte.

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