Einsamkeit im Alter: So lässt sie sich vermeiden

Vereinsamte Senioren freuen sich oft mehr über ein geliehenes Ohr als über eine helfende Hand. Sie möchten über ihre Sorgen und Ängste, ihre Hobbies und Interessen, die guten alten Zeiten und die Welt von heute und überhaupt über die verschiedensten Dinge reden, die ihnen am Herzen liegen. Viele von ihnen wünschen sich zudem eine Schulter zum Anlehnen sowie soziale Geborgenheit. Oder auch einfach nur jemanden, mit dem sie zusammen lachen und weinen, einen Ausflug an einem schönen Ort machen, ein bisschen klatschen und tratschen oder ihre Lieblingskarten- und Brettspiele spielen können. So wie früher mit dem geliebten Partner oder den alten Freundinnen, Freunden und Weggefährten. Als sie noch da waren.

Einsamkeit im Alter ist ein ernstes und leider auch häufiges Problem. Viele ältere Menschen leben allein und manchmal auch fernab von der eigenen Familie, die dann möglicherweise wegen Schule, Beruf oder räumlicher Distanz nur wenige Male im Jahr zu Besuch kommt – etwa nur zu bestimmten Anlässen wie Geburtstag oder Weihnachten. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, nichts mit sich und seiner Zeit anfangen zu können und überhaupt von der Welt vergessen worden zu sein, kommt auf. Die Folge ist nicht selten eine sogenannte Altersdepression, die wiederum körperliche Beschwerden nach sich ziehen kann. Verschiedene Studien kamen bereits zum Ergebnis, dass ein Leben in Einsamkeit und Isolation die Lebenserwartung verkürzt.

Einsamkeit

Gerade in der heutigen Zeit gibt es jedoch viele kreative Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen und sich Netzwerken und Communitys von Gleichgesinnten anzuschließen – auch im Seniorenalter. Im Folgenden geben wir Ihnen Tipps und Anregungen, wie Sie der Einsamkeit den Rücken kehren und sich so ein großes Stück Lebensqualität zurückholen können. 

Tipps gegen Einsamkeit

  • Kontakt mit der Familie intensivieren 
    Der wohl naheliegendste Tipp: Beleben Sie den Kontakt zu Ihrer Familie. Regelmäßige Anrufe und Besuche können beiden Seiten guttun – nicht nur Ihnen. Zudem gibt es eventuell Möglichkeiten, sich gegenseitig zu helfen. Sie könnten beispielsweise anbieten, hin und wieder auf die Enkelkinder aufzupassen, und im Gegenzug selbst gelegentlich Unterstützung erhalten. Gegebenenfalls kann ein Umzug in die Nähe der Familie zu mehr Austausch führen.

  • Soziale Angebote für Senioren nutzen 
    Mittlerweile gibt es zahlreiche soziale Angebote speziell für die ältere Generation. Das Spektrum ist vielfältig und reicht von Senioren-Partys und Tanzveranstaltungen über Kaffeetreffen und Spieleabende bis hin zu gemeinsamen Reisen. Die Anbieter sind meist gemeinnützige Organisationen, Seniorenvereine und -zentren sowie Kirchengemeinden. Naturgemäß gibt es derlei Angebote in Städten und Ballungszentren häufiger als in ländlicheren Gegenden. Zu finden sind sie etwa auf Seniorenportalen sowie auf den Websites von Seniorenvereinen, Kirchengemeinden oder Wohlfahrtsorganisationen.

  • Allgemeine Freizeitangebote nutzen oder ehrenamtliche Tätigkeit aufnehmen 
    Mögen Sie Karneval? Dann treten Sie doch dem örtlichen Karnevalsverein bei. Oder vielleicht wollten Sie immer schon lernen, Geige zu spielen? In dem Fall könnten Sie ja endlich einmal Geigenunterricht nehmen. Oder Sie lernen zusammen mit anderen eine neue Sprache. Ob Verein, Instrumentalunterricht oder Sprachkurs – es gibt viele spaßige Möglichkeiten, neue Bekanntschaften zu schließen. Das Wichtigste ist, dass Sie aktiv bleiben und sich stets nach spannenden und erfüllenden Beschäftigungsmöglichkeiten umschauen, bei denen Sie andere Menschen kennenlernen. Dabei könnten Sie womöglich sogar anderen helfen, indem Sie sich beispielsweise ehrenamtlich in soziale Projekte einbringen; mit Ihrer Lebenserfahrung und Ihrem Wissen könnten Sie etwa jungen und sozial benachteiligten Menschen wertvolle Unterstützung bieten. Im Gegenzug erhalten Sie Dankbarkeit, Wertschätzung und das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden. Angebote für ehrenamtliche Tätigkeit finden Sie in Ehrenamtsbüros, auf den Websites von Wohlfahrtsorganisationen wie der Caritas oder der Diakonie oder auf den Seiten von Kirchengemeinden. Zudem können Sie auch Ehrenamtsportale und Ehrenamtsbörsen im Internet nutzen, wie zum Beispiel das Vermittlungsportal von Aktion Mensch.

  • Andere Senioren über Sportkurse kennenlernen  
    Nehmen Sie an Sportkursen für Senioren teil. Auf diese Weise können Sie nicht nur andere Menschen aus Ihrer Altersgruppe kennenlernen, sondern auch Ihre Gesundheit und Ihr körperliches Wohlbefinden stärken. Seniorengymnastik, oft auch als Mobilisationstraining bezeichnet, senkt das Risiko physischer sowie psychischer Erkrankungen, fördert die Mobilität und dient der Sturzprophylaxe
    Die Kurse werden unter anderem von Volkshochschulen, Sportvereinen und Fitnessstudios angeboten. Auch für Seniorensport gilt natürlich, dass die Angebote in Städten zahlreicher als auf dem Land sind. 
    Gut zu wissen: Die Krankenkassen sind verpflichtet, Ihnen pro Jahr mindestens zwei sogenannte Gesundheitskurse, auch als Präventionskurse bezeichnet, zu bezuschussen. Voraussetzung ist, dass die Kurse von der Kasse anerkannt sind oder von ihr selbst angeboten werden. Informieren Sie sich dazu auf der Website Ihrer Krankenkasse oder fragen Sie direkt per Telefon oder E-Mail nach.

  • Kontakte über soziale Netzwerke knüpfen 
    Soziale Netzwerke bieten eine besonders einfache und bequeme Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Eventuell könnten Sie in Facebook und Co. sogar Freunde und Bekanntschaften von früher wiederfinden. Zudem gibt es inzwischen spezielle Netzwerkseiten, die an die Bedürfnisse älterer Bürgerinnen und Bürger angepasst sind. Dazu zählt zum Beispiel die Online-Community für Menschen ab 60 Feierabend.de, bei der sich die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur online austauschen, sondern sich auch zum persönlichen Kennenlernen auf selbst organisierten Seniorentreffs verabreden. Andere bekannte Online-Netzwerke für ältere Menschen sind etwa Forum für Senioren und Herbstzeit.de.

  • Neuen Partner durch Partnervermittlung finden 
    Zu zweit macht alles doppelt so viel Spaß! Suchen Sie sich einen Partner. Einen, mit dem Sie zusammen alt werden – oder noch besser: mit dem sie zusammen im Alter jung bleiben. Das Internet bietet viele Datingseiten, die auch reife Singles zusammenbringen. Zu den bekanntesten zählen Parship.de, LoveScout24, Neu.de oder ElitePartner. Auch gibt es Partnerbörsen, die sich ausschließlich an Senioren richten, wie zum Beispiel Platinnetz, Lebensfreude oder Zweisam.

  • Seniorenbetreuung in Anspruch nehmen 
    Falls Sie über einen Pflegegrad verfügen, können Sie ergänzend zur Versorgung durch einen Pflegedienst die Unterstützung einer Seniorenbetreuerin oder eines Seniorenbetreuers in Anspruch nehmen. Eine Betreuerin oder ein Betreuer begleitet Sie beispielsweise auf Spaziergängen oder zum Amt, hilft mit den Einkäufen oder bei der Zubereitung von Mahlzeiten und übernimmt sogar je nach Absprache kleinere pflegerische Aufgaben. Aber nicht nur das: Sie oder er leistet Ihnen auch Gesellschaft und kann zu einer engen Bezugsperson werden. Vielleicht sogar zu einer Schulter zum Anlehnen.  
    Die von den Kassen bezuschusste Seniorenbetreuung gehört zu den sogenannten Angeboten zur Unterstützung im Alltag. Sie können dafür den Entlastungsbetrag von 125 Euro, bis zu 40 Prozent des Pflegesachleistungsbetrags oder gegebenenfalls auch das Verhinderungspflegegeld nutzen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Beitrag „Seniorenbetreuung“.

  • Haustier anschaffen  
    Holen Sie sich einen vierbeinigen oder gefiederten Freund nach Hause. Ob ein putziges Meerschweinchen, eine verschmuste Katze oder ein lieber Hund, der sich immer „tierisch“ über Frauchens oder Herrchens Aufmerksamkeit freut – ein Haustier füllt das Zuhause immer mit Leben und Wärme. Diverse Studien haben bereits belegt, dass Haustiere glücklich machen und gerade bei Einsamkeit sehr zu empfehlen sind.

  • In einer Gemeinschaft statt allein und zurückgezogen wohnen  
    Senioren-WGs, Service-Wohnanlagen, Seniorenresidenzen und natürlich das klassische Altenheim – das sind nur einige gängige Beispiele für gemeinschaftliche Wohnformen für ältere Menschen. Diese bieten Senioren eine einfache Möglichkeit, aus der Einsamkeit und Isolation herauszukommen und gegebenenfalls auch pflegerische oder sonstige Unterstützung zu erhalten.  
    Neben den genannten Wohnformen gibt es mittlerweile auch eine ganze Reihe alternativer altersgerechter Wohnmodelle, die sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Das Spektrum reicht von sogenannten Mehrgenerationen-Wohnhäusern, in denen Jung und Alt gemeinschaftlich leben, bis hin zu Wohnprojekten für spezielle Gruppen, wie etwa schwule Senioren oder lesbische Seniorinnen.    
    Mehr Informationen zu den verschiedenen altersgerechten Wohnformen finden Sie in unserem Bereich Wohnen
    Vielleicht ist gemeinschaftliches Wohnen das Richtige für Sie. Warum nicht zum Beispiel in eine Senioren-WG umziehen oder gar selbst eine gründen? Ein gemeinsames Zuhause mit Gleichgesinnten bewohnen, mit denen Sie etwa lustige Spieleabende veranstalten, zusammen kochen und sich gegenseitig im Alltag unterstützen – so könnte mit ein bisschen Initiative und Glück Ihr neues Leben aussehen. Hinzu kommt: Sie teilen sich die Hausarbeiten und Mietkosten mit Ihren Mitbewohnern und sparen zusammen Geld und Kräfte.

  • TelefonSeelsorge und Silbernetz  
    Falls Sie sofort mit jemandem über Ihre Sorgen, Ängste oder Trauer sprechen möchten und der Leidensdruck nur noch schwer oder gar nicht zu ertragen ist, dann kontaktieren Sie die TelefonSeelsorge. Sie können direkt anrufen (0800 / 111 0 111, 0800 / 111 0 222), eine E-Mail schreiben oder per Chat kommunizieren. 
    Möchten Sie hingegen mit jemandem über alle möglichen Themen plaudern, können Sie die Hotline von Silbernetz (0800 4 70 80 90) nutzen. Diese ist kostenfrei und täglich von 8 bis 22 Uhr geschaltet. Zum Service gehört auch, dass die Anruferinnen und Anrufer Informationen zu sozialen Angeboten in ihrer Nähe erhalten und angeregt werden, diese wahrzunehmen. 

Info: Soziale Isolation in Corona-Zeiten – was kann ich tun? 
Die Vereinsamung und Isolation vieler älterer Menschen wird durch die Corona-Pandemie zusätzlich verschärft. Senioren gehören zur Risiko-Gruppe dieser Erkrankung, daher müssen sie besondere Vorsicht walten lassen und die Kontaktbeschränkungen besonders achten. Für viele von ihnen stellt sich die Frage, was sie in dieser Situation überhaupt noch tun können und dürfen. Antworten dazu finden Sie auf der Frage-Antwort-Seite „Angebote für ältere Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.  

Weiterführende Informationen: Lesen Sie auch unsere vier Experten-Interviews zum Thema Einsamkeit. Diese enthalten ebenfalls viele nützliche Informationen und Tipps. Einsamkeit ist übrigens auch ein häufiger Grund für Alkohol- und/oder Tablettensucht bei Senioren. Erfahren Sie mehr dazu in unserem Artikel „Sucht im Alter“.

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