Schlafstörungen im Alter

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund die Hälfte der Menschen über 65 leidet an Schlafstörungen.
  • Schlafstörungen begünstigen die Entwicklung von Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Demenz und Krebs.  
  • Schlafprobleme lassen sich medikamentös oder psychotherapeutisch behandeln. 
  • Durch einige einfache Maßnahmen und Regeln, wie zum Beispiel Verzicht auf Koffeingetränke am Abend, feste Schlafzeiten oder körperliche Aktivität, können Betroffene oftmals ihre Schlafprobleme selbst beheben. Entsprechende Hinweise und Tipps finden Sie weiter unten. 

Die freudige Aufregung vor einer Urlaubsreise, die Wutgefühle nach einem Streit, die Trauer nach dem Abschied von einem nahestehenden Menschen, die Angst vor einer bevorstehenden Operation oder auch einfach nur die unbequeme Matratze eines Gästebetts – verschiedenste Dinge können uns eine Nacht um den Schlaf bringen. Am nächsten Tag fühlen wir uns dann müde, können uns kaum konzentrieren, sind möglicherweise reizbar und vielleicht kommen auch noch Kopfschmerzen dazu. Manchmal schlafen wir sogar mehrere Nächte nacheinander schlecht, etwa wenn wir gerade eine Stress-Phase erleben. Doch auch das ist noch kein Grund zur Sorge. Problematisch wird es erst, wenn sich der Schlafmangel über Wochen hinzieht.
Schlafprobleme sind alles andere als eine Seltenheit. Rund 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter mittelschweren bis schweren Schlafstörungen – Frauen häufiger als Männer. In der Altersgruppe über 65 ist rund die Hälfte betroffen.

Schlafstörung im Alter

Schlechter Schlaf schwächt das Immunsystem und erhöht auf Dauer das Risiko von Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Demenz und Krebs. Auch die Anfälligkeit für eine Depression steigt. Im Alter nehmen Betroffene ihre Schlafstörungen jedoch häufig als naturgegeben hin und halten es daher für unnötig, ihren Hausarzt darüber zu informieren. Sie unterschätzen dabei, welche Auswirkungen auf die Gesundheit drohen.  

Die häufigsten Arten von Schlafstörungen

Insomnie

Insomnie ist die häufigste Art der Schlafstörung. Diese liegt dann vor, wenn länger als einen Monat mindestens dreimal in der Woche Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen auftreten oder es zu frühmorgendlichem Erwachen kommt. Hält dieser Zustand länger als ein halbes Jahr an, sprechen Ärzte von einer chronischen Insomnie. Zu den möglichen Ursachen dieser Schlafstörung zählen: 

  • Dauerstress
  • ungünstige Schlafbedingungen
  • der Konsum von Koffeingetränken, Alkohol oder Nikotin 
  • psychische Erkrankungen wie Depression, Angststörung oder Psychose
  • chronische Schmerzen
  • die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente wie Antibiotika, Antidepressiva oder Schmerzmittel
  • Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen (der Schlaf-Wach-Rhythmus ist nicht dem Hell-Dunkel-Kreislauf von Tag und Nacht angepasst, etwa wegen Jetlag oder Schichtarbeit) 

Auch das sogenannte Restless-Legs-Syndrom kann zu einer Insomnie führen. Hierbei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Stechen oder Ziehen in den Beinen bewirkt. Betroffene verspüren dadurch einen ständigen Drang, die Beine zu bewegen. Dies kann das Ein- und Durchschlafen erheblich beeinträchtigen.  

Schlafapnoe-Syndrom

Bei einer Schlafapnoe setzt die Atmung während des Schlafes immer wieder aus und beeinträchtigt dadurch die Schlafqualität. Es handelt sich dabei um eine sogenannte schlafbezogene Atmungsstörung (SBAS). Zu beachten ist hier, dass vereinzelte kurze Atempausen im Schlaf nicht immer bedenklich sind. Vom Schlafapnoe-Syndrom ist erst dann die Rede, wenn die Atemaussetzer mehr als fünfmal pro Stunde auftreten und jeweils mindestens zehn Sekunden dauern. In manchen Fällen kann sich eine Atemstille sogar bis zu zwei Minuten hinziehen. Oft geht dieses Syndrom mit lautem, unregelmäßigem Schnarchen einher. Meist sind es nicht die Betroffenen selbst, sondern etwa ihre Partner, welche die Atmungsstörung bemerken. Rund ein Viertel der Menschen über 65 leidet an einer Schlafapnoe. Besonders betroffen sind ältere Männer mit Übergewicht.

Hypersomnie

Wer an einer Hypersomnie leidet, fühlt sich tagsüber sehr schläfrig, obwohl die nächtliche Schlafdauer nicht verringert ist. Meist schlafen Betroffene sogar überdurchschnittlich lang – nicht selten mehr als zehn Stunden. Sie neigen dazu, im Tagesverlauf immer wieder einzunicken, insbesondere bei reizarmen Tätigkeiten wie Lesen oder Fernsehen.
Es wird zwischen organisch bedingten und nichtorganischen Hypersomnien unterschieden. Bei letzterer Variante hat die Tagesschläfrigkeit psychische Ursachen. Die organisch bedingte Hypersomnie hängt dagegen oft mit einer körperlichen Erkrankung zusammen, zum Beispiel mit Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Infekten oder Tumoren. Aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen kann der Auslöser sein. 

Parasomnien

Hierbei handelt es sich um bestimmte Störungen, die beim Einschlafen, während des Schlafes oder beim Aufwachen auftreten und mit einer schlafbezogenen Verhaltensauffälligkeit einhergehen. Dazu zählen beispielsweise Schlafwandeln (Somnabolismus), Albträume, Nachtangst (Pavor nocturnus), Sprechen im Schlaf (Somniloquie), Zähneknirschen oder nächtliche Wadenkrämpfe. 

Behandlung

Zunächst einmal muss die Ursache für die Schlafstörungen ermittelt werden. Häufig hängt diese mit dem Lebensstil oder den Schlafgewohnheiten zusammen. Nicht selten können Betroffene daher durch einfache Maßnahmen und Regeln, wie zum Beispiel Verzicht auf Koffeingetränke am Abend, feste Schlafzeiten oder körperliches Training, zurück zu einem erholsamen Schlaf finden. In allen anderen Fällen ist eine ärztliche Therapie erforderlich. Diese leitet der Hausarzt selbst ein oder er überweist den Patienten oder die Patientin an einen Facharzt. Liegt den Schlafproblemen eine Erkrankung zugrunde, wird diese gezielt behandelt. Ansonsten gibt es zwei anerkannte Therapiearten zur Behandlung einer Insomnie: 

  • Medikamentöse Therapie 
    Der Arzt oder die Ärztin kann Betroffenen ein Schlafmittel verschreiben. Dabei ist jedoch zu beachten, dass rezeptpflichtige synthetische Präparate wie Benzodiazepine eher für einen kurzen Gebrauch gedacht sind. Eine längerfristige Einnahme kann zu Abhängigkeit führen und die Schlafprobleme noch weiter verschlimmern. Zudem sollten ältere Menschen mit Schlafmitteln, welche die Muskeln entspannen, vorsichtig sein, denn durch sie steigt die Sturzgefahr bei nächtlichen Toilettengängen.

  • Kognitive Verhaltenstherapie 
    Eine von Fachleuten empfohlene Alternative zur Einnahme von Schlafmitteln ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Hierbei handelt es sich um eine Form der Psychotherapie. Studien belegen, dass sie mindestens genauso wirksam wie eine medikamentöse Behandlung ist und die Schlafprobleme langfristig beheben kann. Kognitive Verhaltenstherapien können je nach Anbieter auch online durchgeführt werden. 
Tipp Icon

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrer Apothekerin oder Ihrem Apotheker beraten

Häufig leiden Seniorinnen und Senioren parallel an mehreren Erkrankungen, die medikamentös behandelt werden. In solchen Fällen kann die Einnahme von Schlafmitteln gegebenenfalls zu unerwünschten Wechselwirkungen führen. Daher ist es ratsam, sich auch von einem Apotheker oder einer Apothekerin umfassend beraten zu lassen. Das gilt auch dann, wenn nur pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Hopfen eingenommen werden. Lesen Sie dazu auch unser Experteninterview zum Thema „Medikamente im Alter“.

Bei Schlafstörungen, die trotz Behandlung länger als ein halbes Jahr anhalten, kann eine Untersuchung in einem Schlaflabor sinnvoll sein. Dort arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen interdisziplinär zusammen, um versteckte Ursachen für hartnäckige Schlafprobleme aufzudecken. Die Patienten übernachten in einem speziellen Raum in einer Klinik oder in einem Schlafzentrum und werden in der Nacht elektronisch überwacht. Dabei werden die Hirnaktivität sowie verschiedene Körperfunktionen wie die Atmung, die Herzaktivität, die Muskelspannung und die Augenbewegungen in den einzelnen Schlafphasen analysiert. Für eine Schlaflaboruntersuchung ist in der Regel eine Überweisung erforderlich. 

Was kann ich bei Schlafproblemen selbst tun?

Mit einer guten Schlafhygiene beugen Sie Schlafstörungen vor oder wirken diesen entgegen. Hierzu sollten Sie folgende Hinweise und Tipps beachten:

  • Trinken Sie abends keine koffeinhaltigen Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee oder Cola. Bei Koffeinempfindlichkeit sollten Sie sogar schon ab dem Mittag darauf verzichten.  
  • Auch Alkoholgetränke haben eine aufputschende Wirkung und sollten deshalb nicht vor dem Zubettgehen konsumiert werden. 
  • Gewöhnen Sie sich feste Schlafzeiten an.  
  • Vermeiden Sie lange Mittagsschläfchen. Diese können dazu führen, dass Sie sich abends nicht müde fühlen und daher Schwierigkeiten haben, schnell einzuschlafen. 
  • Wichtig ist auch, dass Sie in einem bequemen Bett liegen. Dazu ist eine Matratze nötig, die nicht zu weich und nicht zu hart ist. Das Lattenrost sollte von angemessener Qualität sein und nicht knarren.
  • Seien Sie körperlich aktiv. Vermeiden Sie jedoch anstrengende Fitnessübungen am Abend.
  • Intensive geistige Anstrengung ist kurz vor dem Schlafengehen ebenfalls nicht zu empfehlen. 
  • Trinken Sie beruhigende und schlaffördernde Tees, wie zum Beispiel Baldrian-, Hopfenblüten- oder Lavendeltee.  
  • Entspannungs- und Mediationsübungen können ebenfalls helfen.  
  • Versuchen Sie, sich nicht unter Druck zu setzen, wenn Sie nicht einschlafen können. Anstatt in der Dunkelheit zu liegen und immer wieder auf die Uhr zu schauen, sollten Sie ein interessantes Buch oder eine Zeitung lesen – bis Sie sich entspannt fühlen und die Müdigkeit Sie überwältigt.  

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