Die Pflegegrade

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es existieren fünf Pflegegrade (ehemals Pflegestufen). Je höher der Grad, desto mehr Leistungen bekommen Sie. 
  • Ihren Pflegegrad erhalten nach einer Begutachtung vor Ort. Der Pflegeexperte macht sich ein Bild von der Pflegebedürftigkeit der Person. Auch anhand eines umfangreichen Fragenkatalogs, der sechs Lebensbereiche und 64 Kriterien umfasst.   
  • Für die Zuordnung eines Pflegegrads sind geistige, seelische und kognitive Einschränkungen seit 2017 genauso relevant wie körperliche Beeinträchtigungen.  

Fünf Grade der Pflegebedürftigkeit

Es gibt fünf Pflegegrade (früher drei Pflegestufen), denen ein pflegebedürftiger Mensch zugeordnet werden kannDer Pflegegrad entscheidet, welche Leistungen der Pflegekasse Sie in Anspruch nehmen können. Je höher er ist, desto mehr Leistungen sind verfügbar.  

Info: Pflegegrade vs. Pflegestufen:

Die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade im Jahr 2017 ermöglichte eine präzisere Einstufung des Pflegebedarfs und machte es zudem einfacher, überhaupt als leistungsberechtigt anerkannt zu werden. Menschen mit geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, die vor 2017 nicht als pflegebedürftig galten, werden nun dem Pflegegrad 1 zugeordnet und können damit ebenfalls Leistungen beziehenExperten schätzen, dass damit etwa 500.000 neue Leistungsempfänger hinzugekommen sind. Aus Gründen des Bestandsschutzes hat die Pflegeversicherung Menschen mit bereits anerkannter Pflegestufe automatisch einen Pflegegrad zugewiesen, mit dem sie mindestens die gleichen Leistungen erhielten wie bisher. 

Die Zuordnung eines Pflegegrads

Die Einstufung in einen der fünf Grade erfolgt anhand eines detaillierten FragenkatalogsSeit dem Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II am 1. Januar 2017 berücksichtigt dieser Katalog geistige, kognitive und psychische Einschränkungen in gleichem Maße wie physische Beeinträchtigungen.  

Der Gutachter fragt bei einem persönlichen Besuch 64 Kriterien aus sechs Lebensbereichen ab und macht sich natürlich vor Ort ein eigenes Bild der oder des Betroffenen. Für die Antworten vergibt er Punkte, die addiert werden und den Pflegegrad ergeben. Die einzelnen Bereiche werden dabei unterschiedlich gewichtet. 

 

  1. Mobilität (10 %) – körperliche Beweglichkeit (Treppensteigen, Bewegen innerhalb der Wohnung, Aufstehen aus dem Bett etc.)

  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 %) – Verstehen und Reden (räumliche und zeitliche Orientierung, Sachverhalte verstehen, Gespräche führen etc.)

  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %) – (Ängste, Aggressionen, Unruhe, allgemeine psychische Verfassung etc.)

  4. Selbstversorgung (40 %) – (selbstständiges Aufstehen, Waschen, Anziehen, Essen, Trinken etc.)

  5. Selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie deren Bewältigung (20 %) (selbstständiger Arztbesuch, Medikamenteneinnahme, Blutzuckermessung, richtiger Umgang mit Rollator, Prothese etc.)

  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte (15 %) (selbstständige Gestaltung des Tagesablaufs, Treffen mit Freunden und Bekannten, Besuch der Skat- oder Nachbarschaftsgruppe, Konzert- oder Opernbesuch etc.)

Wichtig:  Für „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten “ und  „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ gilt, dass nur der höher gewertete Bereich in die Gesamtbewertung mit 15 Prozent eingeht. 

Mögliche Einordnungen der Pflegegrade

Bis zum 31. Dezember 2016 Seit dem 1. Januar 2017 Grad der Beeinträchtigung
Pflegegrad 1
(12,4 bis unter 27 Punkte)
Geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe unterhalb 1 ( „Pflegestufe 0“) Pflegegrad 2
(27 bis unter 47,5)
Erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe I Pflegegrad 2
(27 bis unter 47,5)
Erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe I mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 3
(47,5 bis unter 70 Punkte)
Schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe II Pflegegrad 3
(47,5 bis unter 70 Punkte)
Schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 4
(70 bis unter 90 Punkte)
Schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe III Pflegegrad 4
(70 bis unter 90 Punkte)
Schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegestufe III mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 5
(90 bis 100 Punkte)
Schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung
Härtefall Pflegegrad 5
(90 bis 100 Punkte)
Schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Nutzen Sie auch unseren Pflegegradrechner: Möchten Sie erfahren, welcher Pflegegrad für Sie oder eine andere Person möglicherweise in Frage kommt, dann hilft Ihnen unser Pflegegradrechner. Hier beantworten Sie Fragen insbesondere zu Selbstständigkeit und Hilfsbedarf – angelehnt an die Kriterien, die auch die Pflegekassen heranziehen, um einen Pflegegrad zu bestimmen.

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