Pflege bei Inkontinenz

Das Wichtigste in Kürze:

  • Inkontinenz gibt es in unterschiedlichen Formen. Die häufigste ist die Dranginkontinenz, bei der körperliche Anstrengung zur unfreiwilligen Urinausscheidung führt.
  • Der Intimbereich muss regelmäßig gereinigt werden, damit es nicht zu Ausschlägen, Ekzemen oder Entzündungen kommt.   
  • Bei der Pflege von inkontinenten Menschen ist sehr viel Taktgefühl und Diskretion gefragt.  
  • Eine ausgewogene Ernährung und bestimmte Gymnastikübungen (etwa Beckenbodengymnastik) haben eine vorbeugende Wirkung.  
  • Die Pflegehilfsmittel für den Schutz bei Inkontinenz reichen von aufsaugenden Produkten (z. B. Einlagen oder Windeln für Erwachsene) über ableitende Systeme (Katheter) bis hin zu funktionell-anatomischen Produkten wie Harnröhrenstöpsel oder Analtampons. 

Inkontinenz bezeichnet die fehlende Fähigkeit, Harn und/oder Stuhl zu halten und kontrolliert auszuscheiden. Es ist naturgemäß ein schambehaftetes Thema. Bei der Pflege eines inkontinenten Menschen ist es daher wichtig, nicht nur die richtigen Pflegehilfsmittel zu benutzen, sondern auch viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl zu haben. Immerhin fällt es vielen Betroffenen schwer, überhaupt Hilfe zu akzeptieren. Dabei ist Inkontinenz in der Pflege nichts Ungewöhnliches: Schätzungen zufolge leiden mehr als 60 Prozent der Kunden ambulanter Pflegedienste darunter. Bei Heimbewohnerinnen und -bewohnern ist der Anteil sogar noch höher. 
Zu beachten ist allerdings, dass Inkontinenz an sich noch keinen Anspruch auf Pflegekassenleistungen bedeutet. Um einen Pflegegrad zu erhalten, müssen Sie im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) nachweisen können, dass Sie aufgrund körperlicher, kognitiver oder psychischer Einschränkungen Hilfe im Alltag benötigen (ausführliche Informationen dazu finden Sie hier). Sofern Sie tatsächlich auf Hilfestellung angewiesen und damit leistungsberechtigt sind, können Sie aber auch im Hinblick auf Ihre Inkontinenz pflegerische Unterstützung erhalten.   

Inkontinenz im Alter

Formen der Inkontinenz

Sowohl die Harn- als auch die Stuhlinkontinenz haben verschiedene Formen und Schweregrade. Die Ursachen können ebenfalls ganz unterschiedlich sein und reichen von geschwächter Beckenbodenmuskulatur bis hin zu einer Nervenstörung, beispielsweise nach einem Schlaganfall. Bereits bei den ersten Anzeichen einer Harninkontinenz sollten Sie einen Urologen aufsuchen, damit die Ursache geklärt und eine Behandlung eingeleitet werden kann. Bei Stuhlinkontinenz sollten Sie zunächst einmal zu Ihrem Hausarzt oder aber direkt zu einem Proktologen (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) gehen. Möglicherweise wird auch ein Neurologe beziehungsweise ein Neuro-Urologe einbezogen werden müssen, falls eine neurologische Ursache für die Inkontinenz vermutet wird. 

Harninkontinenz

Belastungsinkontinenz
Bei der Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz genannt, kommt es zu unfreiwilliger Urinausscheidung bei körperlicher Anstrengung, zum Beispiel beim Niesen, Husten, Lachen oder beim Heben eines schweren Gegenstands. Oft ist eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur der Grund. Die Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form von Harninkontinenz und betrifft meist Frauen.

Dranginkontinenz
Bei der Dranginkontinenz spüren Betroffene bereits bei einer geringen Urinmenge in der Blase einen starken Harndrang. Dieser tritt plötzlich auf und führt meist zu einer unfreiwilligen Blasenentleerung, bevor die Toilette erreicht werden kann. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Reflexinkontinenz
Im Falle der Reflexinkontinenz spüren Betroffene nicht, dass ihre Blase voll ist. Diese entleert sich dann automatisch. Die Ursache für diese Form der Inkontinenz ist eine Nervenstörung, die beispielsweise nach einem Schlaganfall oder im Rahmen einer Demenzerkrankung auftritt.

Überlaufinkontinenz
Die Überlaufinkontinenz zeichnet sich dadurch aus, dass die Blase stets voll ist und immer wieder kleine Urinmengen aus ihr austreten – sozusagen überlaufen. Betroffene verspüren einen ständigen Harndrang. Häufig ist eine Prostatavergrößerung die Ursache für diese Inkontinenzform.

Stuhlinkontinenz

Bei der Stuhlinkontinenz gibt es zwei Möglichkeiten:  

  1. Betroffene verspüren einen Stuhldrang, schaffen es aber nicht, rechtzeitig die Toilette zu erreichen.
  2. Der Stuhl wird automatisch ausgeschieden, ohne dass man zuvor ein Dranggefühl verspürt. 

Ursachen für Stuhlinkontinenz können eine Afterschließmuskel-Schwäche, eine Nervenstörung oder eine chronische Stuhlverstopfung sein.  

Die richtige Pflege bei Inkontinenz

Die Haut im Intimbereich inkontinenter Menschen ist oft sehr sensibel und anfällig für Irritationen, da der Kontakt mit den Ausscheidungen die Hautbarriere schädigt. Bei häufigem und länger andauerndem Hautkontakt können Harn und Stuhl zu Ausschlägen, Ekzemen und Entzündungen führen. Schlecht gewählte Pflegeprodukte können die Symptomatik zusätzlich verschlimmern. Hinzu kommt, dass sich die Betroffenen meist in einem höheren Lebensalter befinden und ihre Haut dementsprechend weniger regenerationsfähig ist. Umso wichtiger ist es, den Intimbereich regelmäßig und mit den richtigen Pflegemitteln zu reinigen. Hautpflegemittel finden Sie hier.

  • Reinigen Sie die Haut möglichst rasch nach jeder Ausscheidung mit Wasser und pH-neutralen Waschlotionen. Benutzen Sie dafür am besten weiche Einmalwaschlappen und achten Sie darauf, dass das Wasser lauwarm ist (ca. 25 Grad). 
  • Alternativ können Sie auch seifenfreien Pflegeschaum verwenden. Dieser reinigt die Haut sanft, hinterlässt einen Schutzfilm und erfordert zudem keinen Abwasch mit Wasser. Zu beachten ist, dass nicht nur Seife, sondern auch schon Wasser eine schädigende Wirkung auf den Säureschutzmantel der Haut haben kann. 
  • Nach der Reinigung sollten die betroffenen Hautstellen gründlich abgetrocknet werden. Wichtig ist, dass Sie die Haut dabei nicht reiben, um sie nicht unnötig zu reizen. Tupfen Sie sie stattdessen vorsichtig trocken. 
  • Tragen Sie anschließend ein Mittel auf, das die Haut vor Feuchtigkeit und den aggressiven Substanzen in den Ausscheidungen schützt. Hierfür eignen sich beispielsweise Hautschutzcremes wie Zinksalben oder Vaseline. Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie die Hautporen stark abdichten und bei ständiger Benutzung die Haut aufquellen lassen können. Daher sollten sie die Cremes am besten mit Wasser-in-Öl-Emulsionen oder mit speziellen Pflegeölen abwechseln.   

Tipp: Toilettenstuhl  
Gerade bei nächtlicher Inkontinenz kann ein sogenannter Toilettenstuhl Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um einen Stuhl mit einer Sitzöffnung, unter der ein abnehmbarer Auffangbehälter angebracht ist. Der Toilettenstuhl fungiert als mobiler WC-Ersatz und kann etwa direkt neben dem Bett platziert werden, um bei Dranggefühl das drohende „Unglück“ durch die schnelle Erreichbarkeit zu vermeiden. 

Ratschläge für den Umgang mit inkontinenten Menschen

Inkontinenz kann für Betroffene eine große psychische Belastung sein. Oft mindert sie das Selbstwertgefühl und löst Scham sowie Ängste aus. Schließlich empfindet es eine erwachsene Person als entwürdigend, etwa Windeln tragen zu müssen und sich diese von jemandem wechseln zu lassen. Und stets aufpassen zu müssen, dass kein Malheur passiert. Umso wichtiger ist es, dass sich pflegende Angehörige und Pflegekräfte taktvoll verhalten und viel Fingerspitzengefühl an den Tag legen. Folgendes sollten Sie als Pflegender unbedingt beachten:  

  • Sprechen Sie mit dem oder der Betroffenen nie in Babysprache über das Thema. So sollten Sie beispielsweise niemals sagen: „Da haben wir ja wieder mal Pi-Pi gemacht.“ Oder: „Diesmal hast Du’s ja doch aufs Töpfchen geschafft.“ Derlei Sprüche sind für Betroffene wie Salz auf offener Wunde, denn sie machen ihre größte Angst wahr: dass sie wie kleine Kinder behandelt werden, weil sie – genau wie diese – ihr Geschäft nicht auf die richtige Weise verrichten können. 
  • Wenn Sie bei der Intimpflege helfen, sollten Sie auf keinen Fall zeigen, dass Sie sich ekeln – etwa indem Sie bei einem bestimmten Anblick oder Geruch das Gesicht verzerren.
  • Seien Sie immer diskret: Sprechen Sie nicht in Anwesenheit von Besuch über Windelwechsel oder sonstiges, was mit der Inkontinenz des oder der Betroffenen zu tun hat. Und auch wenn kein Besuch da ist, sollten Sie das Thema eher vermeiden. 
  • Gleichzeitig sollten Sie sich aber auf keinen Fall vor einem offenen Gespräch über das Problem verschließen. Falls sich ein Anlass ergibt, kann es hilfreich sein, der betroffenen Person zu kommunizieren, dass sie sich nicht für ihre Erkrankung schämen braucht.  

Inkontinenz bei Menschen mit Demenz

Demenz und Inkontinenz treten häufig zusammen auf. Das liegt zum einen daran, dass beide Erkrankungen besonders bei älteren Menschen verbreitet sind. Zum anderen können sie auch ursächlich miteinander zusammenhängen: Im Verlauf einer Demenzerkrankung werden nicht selten Hirnregionen zerstört, welche die Blase steuern.

Des Weiteren kann es passieren, dass ein demenziell veränderter Mensch die Toilette nicht finden kann – auch wenn er sich in seiner eigenen Wohnung befindet – und seinem Dranggefühl an Ort und Stelle nachgibt. Möglich ist aber auch, dass sich der oder die Betroffene weigert, das WC zu nutzen und stattdessen etwas anderes in der Wohnung für die Verrichtung der Notdurft zweckentfremdet – nicht aus Boshaftigkeit, sondern aufgrund geistiger Verwirrtheit. Zwar handelt es sich in solchen Fällen strenggenommen nicht um Inkontinenz, doch aus Sicht der pflegenden Angehörigen oder des Pflegepersonals ist es die gleiche Problematik. Folgende Tipps können hier hilfreich sein:

  • Falls die demenzerkrankte Person Schwierigkeiten hat, die Toilette zu finden: Lassen Sie die Toilettentür offen, sodass das WC bei der Suche direkt gesehen werden kann. 
  • Alternativ können Sie ein Schild an die Toilettentür hängen, auf dem mit großen Buchstaben und in leicht leserlicher Schrift „Toilette“ oder „Klo“ steht. 
  • Nachts sollte der Weg zur Toilette gut ausgeleuchtet sein, um Probleme bei der Orientierung zu mindern. Hier kann beispielsweise ein Bewegungsmelder hilfreich sein. Dieser erkennt, wenn sich jemand im Raum bewegt, und schaltet automatisch ein Nachtlicht ein. 
  • Etablieren Sie feste Rituale: Die demenzerkrankte Person soll etwa direkt nach dem Aufstehen am Morgen oder vor jeder Mahlzeit die Toilette aufsuchen. Erinnern Sie den- oder diejenige daran und begleiten Sie ihn oder sie, wenn nötig. 
  • Eine demenzerkrankte Person mit Inkontinenz wird möglicherweise nicht verstehen, warum sie Inkontinenzprodukte nutzen soll. Je nach Stadium der Erkrankung wird ihr beispielsweise nicht klar sein, weswegen sie eine Vorlage mit Netzhose anstelle der gewohnten Unterwäsche tragen muss. Es ist wichtig, dass Sie dem oder der Betroffenen mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl erklären, warum es nötig ist. Andernfalls kann es passieren, dass der oder die Demenzerkrankte das Hilfsmittel wieder zu entfernen versucht.  
  • Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, Gegenstände zu erkennen, welche die gleiche oder eine ähnliche Farbe haben wie der Hintergrund. Damit sie die Toilette leichter erkennen, empfiehlt sich eine farbige Klobrille.  

Prävention von Inkontinenz

Ein gesunder Lebensstil spielt bei der Prävention von Inkontinenz eine wichtige Rolle. Wer sich ausgewogen ernährt und sich ausreichend bewegt, reduziert das Risiko, inkontinent zu werden. 

Um Blasenschwäche gezielt zu vermeiden oder zu mindern, empfiehlt sich Beckenbodengymnastik zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. Mit speziellen Übungen können Betroffene die entsprechenden Muskeln trainieren und den Schließdruck der Harnröhre verbessern. Frauen haben hier auch die Möglichkeit, ihre Beckenbodenmuskeln durch das Heben von Gewichten mit der Vagina zu stärken. Beckenbodenübungen mit detaillierter Anleitung finden Sie zum Beispiel hier. Bevor Sie jedoch mit den Übungen beginnen, sollten Sie Ihre Trainingspläne mit einem Arzt, einem Physiotherapeuten oder mit Ihrer Pflegekraft besprechen. 

Eine ausgewogene Ernährung, die viel Obst und Gemüse einschließt, ist ebenfalls sehr wichtig. Damit beugen Betroffene Übergewicht und Verstopfung vor. Beides kann eine Harninkontinenz begünstigen, da die entstehende Belastung den Beckenboden schwächt.  

Info: Ausreichend trinken ist wichtig! 
Viele harninkontinente Menschen trinken bewusst nicht viel, damit sie wenig Wasser lassen müssen. Dies ist allerdings ungesund und kann beispielsweise Harnweginfektionen begünstigen. In extremen Fällen kann es sogar zu einer Austrocknung des Körpers (Dehydrierung) kommen. Die damit verbundenen Symptome reichen von trockener Haut über Herzrasen und Schwindel bis hin zu Bewusstseinsstörungen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel „Dehydrierung & Prophylaxe“. Die Trinkmenge zu reduzieren, ist also keine Lösung! 

Pflegehilfsmittel für den Schutz bei Inkontinenz

Für Menschen mit Inkontinenz bietet der Markt verschiedene Arten von Pflegehilfsmitteln. Welches Produkt das richtige für die eigene Situation ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Zu ihnen zählen in erster Linie das Geschlecht, die Art und Schwere der Inkontinenz sowie die Mobilität der Betroffenen. Wir verschaffen Ihnen im Folgenden einen allgemeinen Überblick über die meist genutzten Inkontinenz-Hilfsmittel. Bei Ihrer Produktwahl sollte Sie sich von Ihrem Hausarzt oder Ihrer Pflegekraft eingehend beraten lassen. Möglicherweise wird die pflegebedürftige Person zunächst einmal mehrere verschiedene Hilfsmittel ausprobieren müssen, bis sie eines gefunden hat, das sie als sicher und zugleich bequem empfindet. Inkontinenzprodukte finden Sie beispielsweise hier.  

Info: Kosten für Inkontinenz-Hilfsmittel 
Sofern ein Arzt das erforderliche Inkontinenz-Hilfsmittel verordnet, wird es von der Krankenkasse erstattet. Sie müssen lediglich zehn Prozent der Kosten selbst tragen, maximal jedoch zehn Euro im Monat. Zu beachten ist allerdings, dass die Kassen Festbeträge für verschiedene Hilfsmittel, einschließlich Inkontinenz-Produkte, festgelegt haben, welche die Höhe des Erstattungsanspruchs bestimmen und seit dem 01.01.2005 gelten. Sollten Sie Produkte kaufen, die den jeweiligen Festbetrag überschreiten, müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen.   

Aufsaugende Inkontinenz-Produkte

Die Qualität aufsaugender Inkontinenz-Produkte hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Viele von Ihnen haben inzwischen einen sogenannten Superabsorber. Dabei handelt es sich um bestimmte Chemikalien, die den Urin in ein spezielles Gel umwandeln. Dieses verhindert Geruchsbildung und sorgt zudem dafür, dass der Harn auch bei Druck nicht ausläuft. Aufsaugende Inkontinenzprodukte eignen sich prinzipiell sowohl für Frauen als auch für Männer sowie auch für Kinder. Sie gliedern sich in ein- und zweiteilige Systeme. 

Zweiteilige Systeme

Bei den zweiteiligen Systemen, auch offene Systeme genannt, saugt entweder eine Einlage oder eine Vorlage den Urin auf. Beide Hilfsmittel werden in der Intimbekleidung fixiert.

  • Einlagen 
    Einlagen werden ganz einfach per Klebestreifen in der Unterwäsche fixiert – ähnlich wie eine herkömmliche Damenbinde. Sie sind diskret sowie leicht zu handhaben und empfehlen sich für mobile Menschen mit leichter bis mittelschwerer Inkontinenz.

  • Vorlagen 
    Vorlagen sind etwas dicker als Einlagen und haben in der Regel keine eigene Fixiermöglichkeit. Sie werden klassischerweise mittels einer elastischen Netzhose im Intimbereich fixiert. Inzwischen gibt es aber auch Vorlagen, die über einen Hüftbund zur Fixierung verfügen und somit keine Netzhose erfordern. Dieses Hilfsmittel ist insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen ausgelegt und eignet sich auch für schwere Blasenschwäche.  
Inkontinenz Pflegehilfsmittel

Einteilige Systeme

Einteilige Systeme, auch als geschlossene Systeme bezeichnet, sind Hilfsmittel, welche die Hüfte komplett umschließen und keine äußere Fixierungsmöglichkeit benötigen.

  • Windeln für Erwachsene 
    Erwachsenenwindeln sind der Klassiker bei der Inkontinenzversorgung. Mit einem Klett- oder Klebeverschluss ausgestattet, sind sie unkompliziert in der Nutzung und zeichnen sich durch viel Saugvolumen sowie starken Auslaufschutz aus. Mit ihren Eigenschaften eignen sie sich auch für schwerste Inkontinenz und werden daher häufig in der Pflege verwendet.

  • Inkontinenzslips/Inkontinenz-Shorts 
    Inkontinenzslips und -Shorts sind in der Regel aus Baumwolle und Elasthan gefertigt und unterscheiden sich optisch kaum von einer normalen Unterhose. Im Schrittbereich verfügen sie über eine eingenähte Saugeinlage, die kleine Urinmengen aufnimmt und Gerüche absorbiert. Sie lassen sich bei Temperaturen zwischen 60 und 90 Grad in der Waschmaschine waschen. Inkontinenz-Unterhosen empfehlen sich für aktive Menschen mit eher geringer Blasenschwäche.

  • Inkontinenz-Pants 
    Inkontinenz-Pants, auch Windelhosen genannt, ähneln hinsichtlich ihres Aufbaus dem System aus Inkontinenz-Vorlage und Netzhose, wobei hier die Vorlage fest mit der Hose verbunden ist. Sie sind für den Einmalgebrauch gedacht und eignen sich für leichte bis mittlere Inkontinenz.

Ableitende Inkontinenz-Produkte

Diese Inkontinenz-Hilfsmittel leiten den Urin oder den Kot in einen Auffangbeutel ab. Dabei unterscheidet man zwischen invasiven (in den Körper eingreifend) und nichtinvasiven Systemen. 

Invasive Systeme

Mit invasiven Systemen sind hier Blasenkatheter gemeint. Diese stellen Röhrchen dar, welche in die Blase eingeführt werden und den Urin in einen Beutel leiten. Sie eignen sich für beide Geschlechter sowie auch für Kinder. Für Menschen, die häufig unterwegs sind, empfiehlt sich ein Katheter mit Beinbeutel, der am Ober- oder Unterschenkel befestigt wird. Bei Personen, die an nächtlicher Inkontinenz leiden oder bettlägerig sind, wird der Beutel am Bett angebracht. Bei Blasenkathetern wird zwischen drei Grundarten unterschieden:

  • Einmalkatheter  
    Der Einmalkatheter ist – wie der Name schon verrät – für den Einmalgebrauch konzipiert und wird mehrmals täglich gewechselt. Unter Anleitung eines Arztes oder einer Pflegekraft können Betroffene lernen, sich den Katheter selbst zu legen. Sind sie in der Lage, dies zu tun, spricht man von intermittierendem Selbstkatheterismus (ISK). Legt hingegen eine Pflegerin oder ein Pfleger den Katheter, nennt man das intermittierenden Fremdkatheterismus (ISK). Der Einmalkatheter gilt als sichere und moderne Alternative zu aufsaugenden Inkontinenzprodukten.

  • Transurethraler Dauerkatheter 
    Dieser Katheter wird lediglich ein- bis zweimal im Monat gewechselt und wird daher gern in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verwendet. Er ist zwar mit weniger Aufwand verbunden als der Einmalkatheter, hat aber auch einen signifikanten Nachteil: Die Infektionsgefahr ist wesentlich höher.

  • Suprapubischer Katheter 
    Im Gegensatz zu den anderen beiden Katheter-Arten wird dieser Katheter nicht durch die Harnröhre, sondern durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeins in die Blase eingeführt. Der dafür erforderliche Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. Der suprapubische Katheter wird in der Regel dann eingesetzt, wenn die natürlichen Harnwege – etwa wegen Verengung – nicht genutzt werden können. Ausführliche Informationen zum Thema künstlicher Harnausgang finden Sie in unserem Artikel Pflege bei Urostoma

Nichtinvasive Systeme

  • Kondom-Urinale 
    Kondom-Urinale, auch Urinalkondome genannt, sind ein aus Latex, Gummi oder Silikon gefertigtes Hilfsmittel für harninkontinente Männer. Es besteht aus einer Gummihülse, die wie ein gewöhnliches Kondom über den Penis gerollt wird und durch einen Schlauch mit einem Auffangbeutel verbunden ist. Der Beutel wird am Bein befestigt. Prinzipiell können Betroffene das Kondom-Urinal selbst wechseln, allerdings ist ein gewisses Geschick beim Überstülpen erforderlich.

  • Fäkalkollektoren 
    Fäkalkollektoren sind geruchsdichte Stuhlauffangbeutel, die mittels einer haftenden Hautschutzplatte direkt am Anus befestigt werden. Mit ihnen ist die Gefahr einer Hautirritation gering, da die Haut bei richtiger Anwendung nicht mit dem Kot in Kontakt kommt. Fäkalkollektoren sind vornehmlich für bettlägerige Menschen gedacht und müssen in der Regel täglich oder jeden zweiten Tag gewechselt werden. Für mobile Personen sind sie weniger geeignet, da Bewegung dazu führen kann, dass sich die Haftplatte löst und dass es zum Hautkontakt mit dem Stuhl kommt.   

Funktionell-anatomische Inkontinenz-Hilfsmittel

Funktionell-anatomische Inkontinenz-Hilfsmittel dienen nicht dazu, unfreiwillige Ausscheidungen aufzufangen und zu speichern, sondern diese von vornherein möglichst zu verhindern. Sie kompensieren ursächliche funktionelle Störungen im Körper, die beispielsweise auf eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur nach einer Schwangerschaft zurückzuführen sind.

Für Frauen

Vaginaltampons 
Vaginaltampons, auch als Inkontinenztampons bezeichnet, ähneln gewöhnlichen Tampons für die Monatshygiene und werden ebenfalls in die Scheide eingeführt. Sie heben die vordere Scheidenwand an und stützen dadurch den Blasenhals, was einen unfreiwilligen Urinverlust verhindert. Vaginaltampons können bis zu zwölf Stunden in der Scheide verbleiben.  
 
Pessare 
Pessare, auch Gebärmutterzapfen genannt, sind kleine, aus Silikon oder Naturkautschuk gefertigte Ringe, Schalen oder Würfel, die ähnlich wie Vaginaltampons funktionieren: Auch sie werden in die Scheide eingeführt, um durch Druck auf die Scheidenwand die Harnröhre zu stützen und so vor ungewolltem Harnverlust zu schützen. Würfelpessare können Nutzerinnen selbst wechseln. Es wird empfohlen, sie morgens einzusetzen und abends wieder herauszunehmen, damit sich die Vaginalhaut über Nacht erholen kann. Ring- und Schalenpessare werden hingegen von einem Arzt oder einer Ärztin eingeführt und nur alle sechs bis acht Wochen gewechselt.  
 
Harnröhrenstöpsel 
Der Harnröhrenstöpsel oder Harnröhren-Plug ist ein kleiner, mit Gel gefüllter Stab für den Einmalgebrauch, den sich Frauen mit Stress- oder Belastungsinkontinenz in die Harnröhre einführen. Die Gelmasse dehnt sich darin aus und verschließt den Harnausgang. Beim Harnröhrenstöpsel handelt es sich um ein relativ neues Inkontinenz-Hilfsmittel, das in den USA entwickelt wurde. 

Für Männer

  • Penisbändchen 
    Hierbei handelt es sich um ein Klettband für den Penis, das mittels eines kleinen Ballons Druck auf die Harnröhre übt und sie dadurch verschließt. Zum Wasserlassen entleeren Betroffene den Ballon langsam, sodass der Druck nachlässt und der Urin fließen kann.

  • Penisklemme 
    Die Penisklemme ist ein Ring aus leichtem Kunststoff und medizinischem Schaumstoff, der ebenfalls die Harnröhre durch Druck von außen verschließt. Der Penis ist nicht vollständig umschlossen, sodass es keine Bedenken hinsichtlich der Durchblutung gibt.  

Produkte für den Schutz bei Stuhlinkontinenz

Neben Fäkalkollektoren sind auch Windeln für Erwachsene sowie Vorlagen mit Netzhose gut geeignet für den Schutz bei Stuhlinkontinenz. Bei letzterer Variante muss die Vorlage eng anliegen, sodass auch breiiger Stuhl aufgefangen wird. Inkontinenz-Pants und -Slips sind dagegen weniger zu empfehlen, da sie breiigen Kot nicht so gut speichern können.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Analtampons oder Analstöpsel zu verwenden, die in den Anus eingeführt werden und diesen verschließen. Sofern Betroffene die Tampons oder Stöpsel nicht als unangenehm empfinden, können sie eine praktische Lösung sein, denn sie lassen sich leicht reinigen und mehrfach nutzen. 

Tipp: Inkontinenzauflagen 
Inkontinenzauflagen, auch Bettschutzeinlagen genannt, sind wasserdichte Unterlagen für das Bett, welche die Matratze vor unkontrolliert ausgeschiedenem Urin schützen. Sie empfehlen sich insbesondere für Menschen mit nächtlicher Inkontinenz. Diese Hilfsmittel sind aus verschiedenen Materialien gefertigt und in unterschiedlichen Größen zu haben. Erhältlich sind sie nicht nur in Sanitätshäusern oder Geschäften für Bettzubehör, sondern auch über Online-Shops und Onlineversandhändler wie Amazon.  

Weiterführende Informationen: Lesen Sie auch unsere drei Experteninterviews zum Thema Inkontinenz. Dort finden Sie weitere Informationen zu Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Prophylaxe sowie nützliche Pflege- und Ernährungstipps.

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