Ausländische Betreuungskraft über Agentur finden

Die meisten Seniorinnen und Senioren möchten so lange wie möglich in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung wohnen bleiben. Dazu brauchen jedoch viele von ihnen eine helfende Hand im Haushalt. Die eigenen Kinder oder sonstige Verwandte können in vielen Fällen diese Aufgabe nicht übernehmen, etwa wegen Beruf, eigenem Familienleben oder räumlicher Distanz. Abhilfe kann hier eine sogenannte 24-Stunden-Betreuungskraft schaffen. Diese wohnt bei der hilfebedürftigen Person und unterstützt sie bei ihren alltäglichen Aufgaben – wie ein/e pflegende/r Angehörige/r.  

Die 24-Stunden-Betreuungskräfte, die in deutschen Haushalten tätig sind, kommen in der Regel aus osteuropäischen EU-Ländern, überwiegend aus Polen. Meist werden die Betreuerinnen – seltener auch Betreuer – von spezialisierten Agenturen vermittelt. Doch was müssen Interessenten bei der Wahl einer Vermittlungsagentur beachten? Wie funktioniert die Betreuung in der Praxis und was genau umfasst sie? Diese und weitere Fragen beantwortet uns Renata Föry. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin der 2004 entstandenen Agentur seniocare24, die heute zu den ältesten und bekanntesten Vermittlungsunternehmen in der Branche zählt.  

Frau Föry, was genau bedeutet 24-Stunden-Betreuung und wie lässt sie sich mit dem deutschen Arbeitsrecht vereinbaren, das eine Regelarbeitszeit von acht Stunden pro Tag vorsieht?

„24-Stunden-Betreuung“ und „24-Stunden-Pflege“ sind eigentlich irreführende Bezeichnungen, die sich aber leider als Suchbegriffe im Internet etabliert haben und daher für die Online-Auftritte der Anbieter unverzichtbar sind. Entgegen dem, was sie suggerieren, darf eine 24-Stunden-Betreuungskraft nicht mehr als durchschnittlich 8 Stunden pro Tag arbeiten. Die Bezeichnungen spielen lediglich darauf an, dass die Betreuungskraft bei der zu betreuenden Person wohnt und dementsprechend etwa auch nachts in Notfallsituationen Hilfe leisten kann. Man unterscheidet hierbei zwischen der normalen Arbeitszeit und der sogenannten Rufbereitschaftszeit. Bei Hilfe in der Rufbereitschaftszeit handelt es sich um Überstunden, die dann wieder ausgeglichen werden müssen. Wichtig zu beachten ist hierbei, dass die Betreuungskraft prinzipiell keinerlei Verpflichtung hat, auch in der Rufbereitschaftszeit im Haus oder in der Wohnung anwesend zu sein. Es ist nämlich ihre Freizeit.  

Die Betreuungskraft ist quasi wie eine Ersatztochter oder ein Ersatzsohn. Sie betreut den älteren Menschen so, wie es in früheren Zeiten die Kinder in einer Großfamilie gemacht haben – als alle noch unter einem Dach lebten. Damit aber dieses Konzept funktioniert, muss die Chemie zwischen Betreuungskraft und betreuter Person unbedingt stimmen – es reicht nicht allein, dass die Betreuungskraft die nötige fachliche Kompetenz mitbringt. Es muss auch menschlich passen, denn immerhin sollte die Betreuungskraft wie ein Teil der Familie sein. 

Renata Föry

Geschäftsführerin von seniocare24

Darf die Betreuungskraft auch pflegerische Aufgaben übernehmen?

Eine 24-Stunden-Betreuungskraft darf im Prinzip die gleichen Tätigkeiten übernehmen, die ein Familienmitglied bei einer Betreuung auch übernehmen würde, zum Beispiel Hilfe bei der Morgenhygiene sowie beim Ankleiden und Entkleiden, Mahlzeiten zubereiten und anreichen, Unterstützung bei der Haushaltführung, Begleitung bei Arztbesuchen und Spaziergängen oder einfach nur zu Hause Gesellschaft leisten. Die Grenze verläuft dort, wo die fachmedizinischen Tätigkeiten beginnen, zum Beispiel Katheter legen, Spritzen geben, Verband wechseln etc. Dies erledigt ein ambulanter Pflegedienst.  

Müssen die von Ihnen vermittelten polnischen/osteuropäischen Betreuungskräfte Deutschkenntnisse mitbringen?

Bei uns muss jede Betreuungskraft wenigstens ein bisschen Deutsch sprechen können, bevor sie nach Deutschland entsendet wird. Dabei gilt: Je besser die Deutschkenntnisse, desto höher ist der Preis.  
Zu beachten ist aber, dass die Betreuungskraft ihre Deutschkenntnisse während ihres Aufenthaltes in der Regel verbessert – es ist also nicht immer notwendig, dass das Deutsch von Anfang an sehr gut ist. Begnügt sich der Kunde damit, dass die Betreuerin anfangs nur sehr geringe Kenntnisse der deutschen Sprache hat, zahlt er unseren Tiefstpreis von 1.770 Euro monatlich. Bei sehr guter Beherrschung der deutschen Sprache fällt hingegen unser Höchstpreis von 2.470 Euro pro Monat an. Ab der Preisstufe 1.970 Euro haben unsere Kunden auch die Möglichkeit, vorab mit ihrer künftigen Betreuungskraft zu telefonieren und sich auf diese Weise selbst ein Bild von deren Deutschkenntnissen zu machen.  

Kann denn die Betreuung pflegebedürftiger Menschen auch dann gut funktionieren, wenn Sprachbarrieren bestehen?

Je besser die Betreuungskraft Deutsch spricht, desto einfacher und besser ist natürlich die Kommunikation und Verständigung und somit auch die Betreuung. Diese kann jedoch in einfacheren Fällen auch mit geringeren Deutschkenntnissen funktionieren, zumal sich die Sprachkenntnisse einer Betreuungskraft – wie schon erwähnt – während ihres Aufenthaltes in Deutschland in der Regel verbessern. 

Eine ausländische 24-Betreuungskräft bleibt meist nur für etwa 2 bis 3 Monate am Stück im Haushalt der pflegebedürftigen Person, dann wird gewechselt. Warum ist das so?

Die maximale Entsendungsdauer für Pflegekräfte aus dem EU-Ausland beträgt 12 Monate. Dementsprechend könnte eine polnische/osteuropäische Betreuungskraft ein Jahr am Stück bei der zu betreuenden Person wohnen. In der Praxis kommt dies allerdings so gut wie nie vor, da die Betreuungskraft wesentlich früher zurück nach Hause zu ihrer Familie und ihrer sozialen Infrastruktur möchte. In der Regel bleibt sie daher zwei bis drei Monate, dann wird gewechselt.  

Wer übernimmt die Betreuung, wenn die Betreuungskraft wegen Krankheit oder Urlaub nicht zur Verfügung steht?

Jede nach Deutschland entsendete Pflegekraft ist krankenversichert und kann somit ganz normal zum Arzt gehen. Fällt sie krankheitsbedingt für eine bestimmte Zeitdauer aus, ist es uns leider nicht möglich, sofort eine Ersatzkraft zur Überbrückung dieser Zeit zu stellen. In diesem Fall muss die Familie die Betreuung sicherstellen, bis es der Betreuungskraft wieder besser geht. Bei längerer Erkrankung der Betreuerin oder des Betreuers müsste gegebenenfalls ein außerplanmäßiger Wechsel erwogen werden. 

Warum empfiehlt es sich, auf die Dienste einer Vermittlungsagentur wie seniocare24 zurückzugreifen, anstatt eigenständig eine ausländische/osteuropäische Betreuungskraft zu finden und zu beschäftigen (im Arbeitgebermodell)?

Die Nutzung einer Agentur hat viele Vorteile gegenüber einer Selbstanstellung. Im letzteren Fall wird die zu pflegende Person zum Arbeitgeber. Sie oder er muss die gesamte Bürokratie, die hierbei anfällt, selbstständig erledigen. Dazu zählt beispielsweise, sich um die Sozialabgaben, die Lohnabrechnung und die Steuern zu kümmern. Schon nach zwei bis drei Monaten müsste zudem womöglich wieder eine neue Betreuungskraft gefunden werden, welche die alte ablöst. Das alles übernehmen wir für den Kunden. Darüber hinaus bieten wir Beratung zu den Finanzierungsmöglichkeiten einer Betreuungskraft und klären darüber auf, welche Rolle die Pflegekasse hierbei spielt.  

Worauf sollten Interessenten bei der Wahl einer Agentur achten?

Leider gibt es unter den Vermittlungsagenturen für 24-Stunden-Betreuungskräfte auch einige schwarze Schafe, welche die gesamte Branche in Verruf bringen. Zu ihnen zählen Unternehmen, die ausländische Betreuerinnen mit intransparenten Konditionen, schwammigen Formulierungen in den Verträgen und unfairen Geschäftsmodellen beschäftigen. Daher appelliere ich an jeden, der die Dienste einer Agentur in Anspruch nehmen möchte, genau hinzusehen. Fragen Sie nach dem Verdienst der Betreuungskraft. Wichtig ist dabei, dass der Großteil des Geldes, das Sie bezahlen, an die Betreuungskraft geht und nicht in der Tasche des Vermittlers verschwindet. Lassen Sie sich zudem die Bescheinigung der Sozialversicherung zeigen. Diese sollte keine billige Reiseversicherung sein, bei der keine Sozialabgaben gemacht werden müssen. Auch sollten Sie vorsichtig sein, wenn mit kostenloser Vermittlung geworben wird. Niemand arbeitet umsonst: Fallen keine Vermittlungsgebühren an, wird der Vermittler höchstwahrscheinlich durch monatliche Provisionen bezahlt, die vom Gehalt der Betreuungskraft abgehen.  

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Der Tipp der Expertin

Nehmen Sie sich viel Zeit für die Suche nach einer geeigneten 24-Stunden-Betreuungskraft, vergleichen Sie Angebote und Preise. Dies ist ein großer Schritt, denn immerhin wird die Betreuungskraft bei Ihnen wohnen. Prüfen Sie auch ihre Deutschkenntnisse, wenn die Möglichkeit besteht.

Weiterführende Infos: Lesen Sie auch unser Dossier zum Thema „Ausländische Pflege- und Betreuungskräfte“. Bei alltäglichem Hilfebedarf ist übrigens nicht immer eine 24-Stunden-Betreuung nötig. Gegebenenfalls reicht auch eine stundenweise Unterstützung durch einen Seniorenbetreuer oder eine Seniorenbetreuerin, der oder die an bestimmten Wochentagen für den älteren Menschen da ist. Erfahren Sie mehr dazu in unserem Artikel über Seniorenbetreuung

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