Dehydrierung - eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Senioren

Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Ohne Wasser kann der Mensch nur zwei bis vier Tage überleben.

Senioren zehren die ohnehin geringeren körpereigenen „Wasserbestände“ viel schneller auf als junge Menschen. Viele von ihnen haben weniger Durst und ein Flüssigkeitsmangel wird oft gar nicht bemerkt. Pflegende Angehörige und Pflegedienste müssen dies unbedingt berücksichtigen und dafür sorgen, dass die zu pflegende Person genug Flüssigkeit aufnimmt.

Bei verminderter Flüssigkeitszufuhr kommt es zu einem Wassermangel des Körpers. Dieser wird als Dehydrierung bezeichnet. Die darauffolgende Austrocknung (Exsikkose) kann drastische gesundheitliche Auswirkungen haben.

Christiane Sauret, pharmazeutisch-technische Assistentin sowie Fachberaterin für Senioren und zertifizierte Trainerin, klärt auf über die Gefahr einer Dehydrierung und wie man ihr vorbeugen kann.

Frau Sauret, woran erkennt man eine Austrocknung bei einem älteren Menschen?

Ein Hinweis auf einen Flüssigkeitsmangel ist zum Beispiel eine verminderte Ausscheidung von meist dunklem, konzentriertem Urin. Auf eine Dehydratation weist auch hin, wenn man Hautfalten mit zwei Fingern bildet und sie nach dem Loslassen bleiben. Dieser Test ist gut durchführbar über dem Brust- oder Schlüsselbein.

Eine pudertrockene Achselhöhle kann ebenfalls ein Anzeichen einer Austrocknung ein. Eine trockene Mundschleimhaut findet man sehr häufig bei älteren Menschen vor, die allerdings ihre Ursache auch in den Nebenwirkungen von sogenannten Anticholinergika haben kann. Anticholinergika stecken in vielen Präparaten, zum Beispiel in Inkontinenz- und Beruhigungsmitteln, Neuroleptika, Antidepressiva sowie Tabletten gegen Übelkeit, Schmerzen oder Allergien.

Christiane Sauret
Christiane Sauret Pharmazeutisch-technische Assistentin, Fachberaterin für Senioren und zertifizierte Trainerin

Gibt es Medikamente, die eine Dehydrierung begünstigen?

Ursachen für eine Dehydrierung können auch Medikamente sein, wie bestimmte Schlafmittel, Mittel gegen Allergien, Antidepressiva, Betablocker, Diuretika, Kortikoide etc.

Welche Symptome und Folgen können bei einer Dehydratation entstehen?

Der Wasserhaushalt in unserem Körper ist streng reguliert. Bereits ein geringer Flüssigkeitsmangel von ca. ein bis zwei Prozent Verlust von Körpermasse kann klinische Symptome verursachen. Bei einem Verlust von zwei Prozent muss man mit körperlichen Leistungseinschränkungen rechnen. Ein Defizit von 20 Prozent wird als lebensbedrohlich angesehen.

Mögliche Symptome und Folgen sind:

  • Trockene Schleimhäute, Mundtrockenheit, verminderte Speichelmenge und -produktion
  • Vermehrter Durst
  • Verstopfung
  • Gewichtsabnahme
  • Schwindel
  • Erhöhte Sturzneigung
  • Gangunsicherheit
  • Schwäche
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Fieber
  • Blutdruckabfälle
  • Herzrasen
  • Verwirrtheitszustände
  • Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit
  • Krampfanfälle
  • Thrombosen
  • Veränderte Medikamentenwirkung
  • Reduzierte Harnmenge
  • Kreislaufversagen
  • Nierenversagen
  • Verringerte Nierentätigkeit
  • Delir
  • Veränderter Elektrolytstatus

Welche Möglichkeiten und Tricks gibt es, um die Trinkmenge bei Senioren zu erhöhen?

Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten und Tricks, die Trinkmenge für betagte Senioren zu erhöhen:

  • Getränke in möglichst kleinen, sauberen Gläsern immer in Sicht- und Reichweite aufstellen
  • Auf gute „Greifbarkeit“ des Trinkgefäßes achten, darf nicht zu groß und nicht zu schwer sein
  • Falls Trinkprobleme auftreten, geeignete Trinkgefäße mit Griffen oder Schnabelvorrichtung verwenden
  • Die Trinkration für den Tag schon morgens vorbereiten (bei allein lebenden Senioren)
  • Feste Trinkrituale in den Tagesablauf einbauen (wie z.B. vor jeder Mahlzeit ein Glas Wasser, zum Nachmittagskaffee ein Glas Wasser etc.)
  • Zwischen verschiedenen Getränken variieren, z.B. Wechsel zwischen Heiß- und Kaltgetränken
  • Trinkerinnerungen durch Pflegepersonal oder durch Apps
  • Bei Demenzerkrankten auch farbige Flüssigkeiten anbieten, da diese visuell von dieser Patientengruppe besser wahrgenommen werden
  • Eine „Trinkverabredung“ mit Mitbewohnern vereinbaren

Gibt es empfehlenswerte Nahrungsmittel, die einer Dehydratation vorbeugen?

Es empfiehlt sich calciumreiches (mehr als 150 mg/l) und magnesiumreiches (mehr als 50 mg/l) Mineralwasser. Auch Kräuter und ungesüßte Früchtetees sind sehr empfehlenswert. Wasserreiches Obst und Gemüse (Melonen, Obstkompott, Tomaten, Gurken etc.) bieten eine gute Abwechslung im Speiseplan und versorgen den Körper nicht nur mit Wasser, sondern auch mit wichtigen Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen.

Der Tipp der Expertin:
Liebe Seniorinnen und Senioren! Stellen Sie sich ihre Getränke immer in Sicht- und Reichweite auf und versuchen Sie, kleine Mengen über den Tag verteilt zu trinken. Ergänzen Sie Ihren Ernährungsplan mit wasserhaltigen Gemüse- und Obstsorten. Bauen Sie feste Trinkrituale und „Trinkverabredungen“ mit anderen ein. Trinken Sie auch mal dann, wenn Sie keinen Durst verspüren!

Weiterführende Infos:
Nicht nur hilfebedürftige Senioren benötigen jemanden, der sicherstellt, dass sie genug Flüssigkeit aufnehmen. Auch weitgehend selbstständige Senioren vergessen manchmal, genug zu trinken, da im Alter das Durstempfinden nachlässt. Ein/e Seniorenbetreuer/in kann hier Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass die betreute Person regelmäßig zum Wasserglas greift. Informieren Sie sich zum Thema Seniorenbetreuung hier. Falls Sie hingegen auf der Suche nach einem professionellen Pflegedienstleister sind, können Sie über unsere digitale Beratung oder in unseren Pflege- und Wohnangeboten passende Anbieter in Ihrer Nähe finden.

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