Digitale Wege aus der Einsamkeit

Für vereinsamte Seniorinnen und Senioren, die sich soziale Kontakte und Gesprächspartner wünschen, kann das Internet sehr hilfreich sein. Sie können beispielsweise neue Bekanntschaften über soziale Netzwerke schließen oder auch soziale Angebote in ihrer Region wie etwa Seniorentreffs entdecken. Doch nach wie vor gibt es viele ältere Menschen, die nicht wissen, wie man einen Computer oder ein Smartphone nutzt. Daher setzt sich Dagmar Hirche, Gründerin des Vereins „Wege aus der Einsamkeit“, seit 2015 dafür ein, dass Senioren ermutigt werden, digitale Schritte zu wagen. Sie fordert sogar bundesweite, kostenfreie digitale Bildungsangebote für Menschen ab 65 sowie kostenfreies WLAN in Altenheimen, Seniorenwohnanlagen, Seniorentreffs oder Quartierstreffpunkten. Zudem soll WLAN zur Grundausstattung eines jeden Haushalts gehören, genau wie Wasser und Strom. In unserem Interview erklärt sie, warum es auch für die ältere Generation so wichtig ist, digitale Geräte nutzen zu können, welche Möglichkeiten das Internet bietet, aus der Einsamkeit herauszukommen, und wo ältere Menschen lernen können, mit Computern umzugehen.  

Frau Hirche, warum ist es so wichtig, dass es mehr Angebote im Bereich der digitalen Bildung für Seniorinnen und Senioren gibt?

Unsere Welt wird immer schneller, weil sich immer mehr Vorgänge im Netz abspielen. Es gibt immer mehr digitale Angebote von Banken, Krankenkassen, Behörden und der Wirtschaft. Das ist an sich eine positive Entwicklung. Doch man kann nicht davon ausgehen, dass jeder diese Angebote ohne Weiteres nutzen kann. Die digitale Welt ist für viele Seniorinnen und Senioren sowie auch für viele Menschen mit Einschränkungen nach wie vor Neuland. Daher muss es viel mehr kostenfreie Angebote im Bereich der digitalen Bildung geben. Solche Schulungsangebote müssen sehr niedrigschwellig sein und es muss sie überall geben – Interessenten sollten keinen weiten Weg zum nächsten Schulungskurs haben. Zudem sollte WLAN in Alten- und Pflegeheimen zur Grundausstattung gehören.  

Dagmar Hirche

Unternehmerin und Gründerin des Vereins „Wege aus der Einsamkeit“

Welche Möglichkeiten bietet das Internet vereinsamten Senioren, die aus Ihrer Einsamkeit herauskommen möchten?

Sie können mit anderen über das Smartphone oder Laptop kommunizieren und sich sehen, beispielsweise indem sie Dienste wie Skype oder Zoom nutzen. Das ist gerade für Seniorinnen und Senioren, die weit entfernt von ihrer Familie wohnen, sehr praktisch. Sie können ihre Kinder und Enkelkinder auf dem Computerbildschirm sehen und mit ihnen sprechen – mehrmals täglich, wenn gewünscht. Das ist gerade in Corona-Zeiten für viele ein unschätzbarer Dienst.

Man kann zudem auch soziale Netzwerke nutzen. Über sie kann man einfach und schnell andere Menschen kennenlernen und sich Gruppen von Gleichgesinnten anschließen. Übrigens gibt es mittlerweile auch Online-Communitys speziell für Senioren, zum Beispiel Feierabend.de oder Herbstzeit.de. Aber unter den digitalaffinen älteren Menschen gibt es auch viele, die lieber Facebook und Co. nutzen, weil sie den Austausch mit jüngeren Generationen suchen.

Darüber hinaus können sich alleinlebende Seniorinnen und Senioren die Zeit vertreiben, indem sie etwa Online-Zeitungen und -Zeitschriften lesen, sich Videos anschauen oder Online-Spiele spielen. Das ist gut gegen die Langeweile. 

Zwar nutzen immer mehr ältere Menschen das Internet, doch nach wie vor gibt es auch viele Senioren, die hier Berührungsängste haben. Woran liegt das?

Viele glauben, dass sie von der digitalen Technik überfordert sein werden, und wollen es gar nicht erst probieren. „Im Alter lerne ich das sowieso nicht mehr“ – so lehnen viele ein Angebot ab, sich etwas zeigen zu lassen. Zudem haben ältere Menschen oft Angst vor Datendiebstahl, Betrug oder Abo-Fallen. Sie glauben, dass sie im virtuellen Raum völlig schutzlos vor entsprechenden Machenschaften sind. Schulungsangebote im Bereich der digitalen Bildung müssen daher auch über reale und weniger reale Gefahren des Internets aufklären und zeigen, wie man sich schützen kann. So lassen sich Berührungsängste abbauen. 

Wo und wie können sich Senioren, für die Computer und Internet Neuland sind, grundlegende Computerkenntnisse am besten aneignen?

Inzwischen gibt es bundesweit immer mehr Computerkurse für Senioren. Diese werden beispielsweise von Seniorenvereinen oder Volkshochschulen angeboten. Fündig können Sie zudem auch auf der Seite digital-kompass.de werden. Bei der Suche sollten sich Betroffene eventuell von einem Angehörigen oder einer Betreuungskraft unterstützen lassen.

Worum geht es bei Ihrem Projekt "Wir versilbern das Netz. Das 1x1 der Tablets/Smartphones für Menschen 65+"?

 Bei diesem Projekt handelt sich um ein kostenfreies, niedrigschwelliges Schulungsangebot. Im Vordergrund steht der Spaß am Umgang mit Smartphones oder Tablets. Wir schulen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit sehr viel Geduld und Empathie. Und was ganz wichtig ist: Wir bringen ihnen genau das bei, was sie lernen möchten. Dabei holen wir jeden dort ab, wo er steht. Es wird viel gelacht, geflucht, gestaunt und gelernt. Wir möchten die älteren Menschen für die digitale Welt begeistern und ihnen gleichzeitig vor Augen führen, wie wichtig es heutzutage ist, mit digitaler Technik umgehen zu können. Auch um der Einsamkeit entgegenzuwirken. In 6 Jahren haben über 7.000 Senioren zwischen 65 und 94 Jahren mit uns zusammen erste Schritte in die digitale Welt gewagt.  

Der Tipp unserer Expertin: Trauen Sie sich, die digitale Welt zu betreten! Lebenslanges Lernen ist gerade heute extrem wichtig, denn Gesellschaft und Technik entwickeln sich rasend schnell. Nutzen Sie digitale Schulungsangebote, wie zum Beispiel Erklärvideos. 

Weiterführende Infos: Lesen Sie auch unseren Artikel zum Thema „Einsamkeit im Alter“. Dort finden Sie viele wertvolle Tipps und Hinweise, wie Sie der Vereinsamung im Alter entgegenwirken können. 

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