Es muss nicht immer Wasser sein

Dehydrierung bedeutet Austrocknung: Der Körper enthält also weniger Wasser, als er für physiologische Vorgänge benötigt. Neben Kindern sind vor allem ältere Menschen gefährdet. Jedes Jahr müssen durchschnittlich rund 6.300 DAK-Versicherte wegen Flüssigkeitsmangel ins Krankenhaus, mehr als drei Viertel davon sind über 65 Jahre alt. Dehydrierung ist somit auch in der Pflege ein wichtiges Thema.

Silke Willms, Expertin für Ernährung und Prävention bei der DAK, beantwortet wichtige Fragen zum Thema Dehydrierung und verrät uns, was sie von technischen Hilfen wie smarten Trinkflaschen oder Gadgets mit Trinkerinnerungs-Funktion hält.

Frau Willms, warum dehydrieren Senioren und Pflegebedürftige besonders oft?

Ältere Menschen verlieren manchmal die Freude am Essen und Trinken. Das liegt daran, dass Geschmacks- und Geruchsempfinden nachlassen. Die Folge ist, dass Menschen weniger trinken als sie eigentlich benötigen, um gesund und fit zu sein.

Aber auch die Angst vor dem Gang zur Toilette hält oftmals vom Trinken ab. Die Schmerzen in Gelenken, Muskeln und Knochen sowie die Angst, es nicht rechtzeitig zur Toilette zu schaffen, sind größer als der Durst. Wer bettlägerig ist und an Inkontinenz leidet, trinkt oft zu wenig, weil es unangenehm ist, Urin im Bett oder in die Windel zu lassen. Schluckbeschwerden können ebenfalls ein Grund sein.

Auch manche Medikamente können das Durstempfinden dämpfen. Hinzu kommt, dass manchmal die Nieren eingeschränkt arbeiten und zu viel Flüssigkeit ausscheiden. Wenn dann noch ein heißer Sommer kommt, schwitzt man zusätzlich viel Flüssigkeit aus. Im Rekordsommer 2018 wurden überdurchschnittliche viele unserer Versicherten wegen Dehydration behandelt.

Silke Willms
Silke Willms, Expertin für Ernährung und Prävention bei der DAK

Was passiert im Körper, wenn er zu wenig Flüssigkeit bekommt?

Viele wichtige Körperfunktionen arbeiten nur mit Wasser richtig: Haut und Schleimhäute bleiben straff, werden feucht gehalten und können so ihre Aufgabe als Schutz vor Krankheitserregern erfüllen. Wasser hilft, die Nahrung richtig zu verdauen. Vitamine, Mineralien und Nährstoffe gelangen ins Blut und werden mit dem Wasser, das das Blut fließfähig hält, in die Körperzellen transportiert. Das Gehirn ist vom Gehirnwasser – dem Liquor – umgeben. So wird es mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Flüssigkeit in unserem Körper hat auch die Aufgabe Stoffwechselendprodukte, die der Körper nicht mehr braucht, und Stoffe, die schaden können, abzutransportieren.

Wer zu wenig trinkt, muss auch mit Verstopfung rechnen, denn der Verdauungsbrei nimmt dann im Darm zu wenig Wasser auf. Das Wasser hilft, die Bewegung des Darms zu unterstützen, damit der Inhalt transportiert wird.

Mit welchen Tipps und Tricks kann man Flüssigkeitsmangel vorbeugen?

Es muss nicht immer Wasser sein. Auch saftiges Obst und Gemüse enthält viel Flüssigkeit. Wer also Orange, Beerenfrüchte, Pfirsich, Aprikose, Apfel, Birne, Gurke, Zucchini oder Kartoffeln isst, nimmt viel Wasser auf.

Auch Lebensmittel, die im Wasser aufquellen, liefern Flüssigkeit, also Reis, Nudeln, Haferflocken oder Gries. Es lohnt sich also, morgens oder abends einen Haferbrei zu essen. Mittags liefern Risotto oder Suppe viel leckere Flüssigkeit. Wer es süß liebt, isst Schokopudding oder Milchreis.

Gibt es technische Hilfen, die beim regelmäßigen Trinken unterstützen?

Wir bieten zum Beispiel unsere kostenlose Pflege-App an, in die ein Trinkplaner integriert ist. Dieser hilft dabei, regelmäßig ans Trinken zu denken und so Dehydration zu vermeiden. Außerdem bietet die App Hilfe und Unterstützung bei vielen weiteren Fragen rund um die Pflege.

Es werden auch smarte Trinkflaschen oder Gadgets mit Trinkerinnerungs-Funktion angeboten. Kann so etwas hilfreich sein?

Das kann eine hilfreiche Ergänzung sein. Allerdings sollte man hier immer kritisch bleiben: Manche Apps und Gadgets nehmen es mit dem Datenschutz und der Datensicherheit nicht sehr genau. Ab August können Apps als sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs, auch ärztlich verschrieben werden. Voraussetzung ist, dass sie ein bestimmtes Prüfverfahren durchlaufen haben. Das ist ein wichtiger Schritt, weil dadurch die Qualität solcher Anwendungen gesichert wird. Wir übernehmen selbstverständlich die Kosten dafür, wenn der Hersteller durch die Aufnahme in die DiGA-Liste nachgewiesen hat, dass er einen messbaren Beitrag für die Verbesserung der Versorgungsqualität leistet. 

Sind solche smarten Helfer ein Thema, mit dem sich auch die DAK-Gesundheit beschäftigt?

Wir beschäftigen uns intensiv mit digitalen Hilfen, auch im Bereich Pflege. Dabei ist es jedoch wichtig, dass diese in ein Gesamtkonzept eingebunden sind, um sowohl den Pflegebedürftigen als auch den pflegenden Angehörigen und dem Pflegepersonal eine echte Hilfe zu sein. So ist es beispielsweise sinnvoll, die Vermeidung von Dehydration auch mit Sturzprävention zu verknüpfen. An solchen ganzheitlichen Konzepten arbeiten wir, um die Pflege nachhaltig zu verbessern.

Tipp der Expertin:
Schaffen Sie sich Trinkrituale, wie zum Beispiel jeden Tag um 11 Uhr einen Espresso mit einem Glas Wasser oder nach dem Mittagsschlaf eine erfrischende Saftschorle trinken. Ausreichend zu trinken, wird dann zur Gewohnheit.

Weiterführende Infos:
Technische Hilfsmittel, zu denen etwa auch Pflege-Apps mit Trinkplanern zählen, werden von den Kranken- und Pflegekassen erstattet. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier. Falls Sie nicht sicher sind, welche Hilfsmittel für Sie beziehungsweise für Ihren zu pflegenden Angehörigen zu empfehlen sind, können Sie sich auf Ihre Situation zugeschnittene Empfehlungen von unserer digitalen Beratung einholen.

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