Hausnotruf für mehr Sicherheit im Alltag

Ältere und pflegebedürftige Menschen leben oft allein. Mit zunehmendem Alter werden sie in ihren Bewegungen unsicherer, und das Risiko eines Sturzes oder Unfalls zu Hause steigt. Insbesondere wenn Angehörige nicht in der Nähe wohnen oder die erwachsenen Kinder in ihrem Arbeitsalltag nicht immer erreichbar sind, nimmt die Sorge zu, in eine Situation der Hilflosigkeit zu geraten.

Mit einem Hausnotrufdienst ist ein sicheres Leben in den eigenen vier Wänden trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung wieder möglich. Betroffene tragen stets einen Funksender mit Notrufknopf am Körper. Ein Notruf wird per Knopfdruck ausgelöst, ohne dass lange nach dem Telefon gesucht werden muss. Die Angst vor dem Alleinsein in einer Notlage ist damit aus dem Weg geräumt. Bundesweit nutzen bereits rund eine Million Menschen Hausnotrufdienste. 

Matthias Langer, Bereichsleiter im Vertrieb bei den Johannitern, erklärt uns, was ein Hausnotrufdienst ist und wie es den Alltag älterer und pflegebedürftiger Menschen sicherer macht.

Herr Langer, was leistet ein Hausnotrufdienst für Senioren?

Ein Hausnotrufdienst verhilft ihnen zu mehr Sicherheit im Alltag. Wer bereits einen Unfall in den eigenen vier Wänden oder auf der Straße erlebt hat, weiß nur zu gut, dass schnelle Hilfe notwendig ist und in manchen Situationen sogar Leben retten kann. Der Hausnotruf ermöglicht es Menschen, bei Unfällen oder gesundheitlichen Beschwerden unverzüglich den Rettungsdienst zu informieren. Wenn Sie den Notrufknopf betätigen, wird Alarm ausgelöst und automatisch der Sprechkontakt mit einem Mitarbeiter der Notrufzentrale hergestellt – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Je nach Art des Notfalls schickt die Notrufzentrale professionelle Hilfe oder benachrichtigt eine Vertrauensperson, etwa einen Verwandten, und die benötigte Unterstützung wird vor Ort geleistet.

Matthias Langer, Bereichsleiter Ambulante Pflege, Notrufdienste, Bevölkerungsschutz, Flüchtlingshilfe und Integration bei der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Was muss man im Notfall tun, um Hilfe zu erhalten?

Ein Knopfdruck allein reicht aus, um die Hausnotruf-Zentrale zu kontaktieren. Sofern Betroffene in der Lage sind, zu sprechen, können sie ihre Situation schildern. Und auch wenn dies nicht möglich sein sollte, wird umgehend Hilfe angefordert, die auf schnellstem Wege zu ihnen nach Hause kommt.

Wie genau sichert der Hausnotrufknopf ab?

Der Hausnotrufdienst umfasst immer zwei Geräte: eine Basis-Station und einen Funksender, den Nutzer am Körper tragen. So ist gesichert, dass sie in jeder Notallsituation den Notrufknopf betätigen können. Der Funk-Notrufsender kann unauffällig als Kette oder Armband getragen werden. Die Basis-Station ist mit dem Telefonanschluss verbunden und verfügt zusätzlich über eine Freisprecheinrichtung. Für den Notruf werden bestehende Telefonverbindungen unterbrochen. Das ist wichtig für den Fall, dass Nutzern während eines Telefonats etwas zustößt. Über die Freisprecheinrichtung können Betroffene von jedem Raum aus mit den Mitarbeitern der Zentrale sprechen, zum Beispiel wenn sie im Bad gestürzt, bei der Gartenarbeit gestolpert oder beim Heben eines schweren Gegenstands im Keller hingefallen sind.

Für wen ist der Hausnotruf überhaupt geeignet?

Der Hausnotruf unterstützt Senioren und Pflegebedürftige dabei, trotz gesundheitlicher Einschränkung weiterhin ihren Alltag zu bewältigen. Wenn sie nicht mehr so mobil sind und Angst vor Stürzen haben, weil sie allein leben und niemand in der Nähe ist, der ihnen im Notfall helfen könnte, kann der Hausnotruf die Lösung sein. Auch wenn sie mit einer Behinderung leben oder unter einer chronischen Krankheit leiden, kann sich der Hausnotruf für sie lohnen. Doch auch wer zu zweit lebt, kann zuweilen schnelle Hilfe von außen benötigen. Zum Beispiel dann, wenn ein Partner gestürzt ist und der andere ihm aus körperlichen Gründen nicht hoch helfen kann.

Wer kommt im Notfall?

Im Gespräch mit einem Betroffenen bringt der Mitarbeiter der Hausnotruf-Zentrale in Erfahrung, was geschehen ist. Den Namen, die Anschrift und auch die Krankengeschichte kann er dabei einsehen. So kann er schnellstmöglich entscheiden, was als nächstes zu tun ist und wer zum Betreffenden nach Hause kommen soll, ob eine Person seines Vertrauens oder der Rettungsdienst. Sollte der Betroffene nicht in der Lage sein, zu sprechen, macht sich der Rettungsdienst umgehend auf den Weg zu ihm. Auch dem Rettungsdienst werden alle wichtigen Informationen zur Verfügung gestellt, die für die schnelle medizinische Versorgung wichtig sind. Um einen reibungslosen und unkomplizierten Zugang zum Haus des Betroffenen zu gewährleisten, wird sein Schlüssel bei einem Nachbarn oder bei dem entsprechenden Hausnotrufdienst hinterlegt. So muss nicht zwangsläufig die Tür zerstört werden. 

Was ist, wenn man den Hausnotruf aus Versehen auslöst?

Das ist in der Regel kein Problem. Da die Hausnotruf-Zentrale zunächst versucht, den Sprechkontakt herzustellen, wird die Sache schnell geklärt. Wenn kein Sprechkontakt zustande kommt, steht ein Mitarbeiter so schnell wie möglich vor der Tür des Betroffenen – und freut sich, wenn es ihm gut geht! Solch ein Fehlalarm passiert vielen Menschen, das kommt tagtäglich vor, und in den meisten Fällen verursacht es den Teilnehmern keine zusätzlichen Kosten. 

Erhält man Zuschüsse von der Pflegekasse für die Nutzung eines Hausnotrufdienstes?

Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Kosten für den Hausnotruf von der Pflegekasse übernommen. Die Bedingungen dafür hängen von der jeweiligen Kasse ab und können von Fall zu Fall unterschiedlich bewertet werden. Maßgeblich für die Kostenübernahme sind zwei Kriterien. Erstens: Der oder die Betroffene hat eine anerkannte Pflegebedürftigkeit (ab Pflegegrad 1). Zweitens: Er oder sie wohnt allein. Die Kostenübernahme bezieht sich in der Regel auf die Basisleistung. Bei den Pflegekassen sollte jedoch immer nachgefragt werden, ob Zusatzleistungen ebenfalls übernommen werden. 

Der Tipp des Experten: Der Hausnotruf ist nicht nur für hochaltrige Menschen geeignet. Gerade zum Erhalt der Selbständigkeit kann der Hausnotruf auch in jüngeren Jahren bereits genutzt werden, sodass der Umgang damit im hohen Alter ganz selbstverständlich ist. 

Weiterführende Infos: Lesen Sie auch unseren Artikel über Hausnotrufdienste auf unserem Hilfsmittelportal. Allgemeines zum Thema technische Hilfsmittel erfahren Sie hier. Weitere interessante Hinweise und Tipps, wie ältere und pflegebedürftige Menschen ihr häusliches Umfeld durch Technik sicherer gestalten können, finden Sie in unserem Experten-Interview „Sorglos wohnen mithilfe von Technik“ aus dem Themenmonat März.

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