Pflegekurse: kostenlose Schulung für Pflegende

Drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Meistens übernimmt die Familie diese Aufgabe – pflegende Angehörige gelten nicht umsonst als der größte Pflegedienst Deutschlands. Um die Menschen bei dieser sowohl psychisch als auch physisch fordernden Tätigkeit zu unterstützen, bieten alle Pflegekassen kostenlose Pflegekurse an. Diese richten sich auch an ehrenamtliche Helfer sowie an pflegende Nachbarn oder Freunde. Neben den Vor-Ort-Kursen gibt es auch Online-Pflegekurse, die ebenfalls kostenlos sind.

Milorad Pajovic, Head of Care Research bei der DAK-Gesundheit, klärt über die Lerninhalte von Pflegekursen auf und erläutert die Vor- und Nachteile der Online-Variante. 

Herr Pajovic, was lernt man bei einem Pflegekurs?

Im Mittelpunkt steht die praktische Pflege. Wie lagere ich eine Person richtig, die nicht allein aufstehen kann? Wie reiche ich Essen an, wenn jemand nicht mehr selbstständig mit dem Essbesteck umgehen kann? Welche Handgriffe sind wichtig, wenn ich beim Duschen oder beim An- und Ausziehen helfe? Solche Fragen werden in Pflegekursen beantwortet.

Es geht aber auch um den Menschen, der pflegt. Pflege ist körperlich und psychisch fordernd. In Pflegekursen erhalten pflegende Angehörige daher auch Tipps, wie beispielsweise der Rücken gesund bleibt. Zudem wird ihnen erklärt, wie sie sich um das eigene Wohl sorgen sollten und wie sie zum Beispiel Anzeichen einer Überforderung erkennen.

Zusätzlich vermitteln Pflegekurse Wissen über die Leistungen der Pflegekassen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Unterstützung – vom Antrag auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen bis hin zur Verhinderungspflege. Im Pflegekurs erfährt man, welche Ansprüche auf Leistungen bestehen und wie man diese bekommt. 

Milorad Pajovic

Head of Care Research bei der DAK-Gesundheit

In welchem Rahmen finden Pflegekurse statt – sind es immer Gruppenkurse, oder gibt es auch Einzelschulungen?

Pflegekurse können sowohl als Gruppen- als auch als Einzelschulungen stattfinden. Es gibt auch Pflegeschulungen, die im Zuhause der pflegebedürftigen Person erfolgen – dort kann individuell auf die Bedingungen vor Ort eingegangen werden. Das kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn bestimmte Hilfsmittel bei der Pflege zum Einsatz kommen müssen.  

Wie unterscheidet sich ein Online-Pflegekurs von einem Vor-Ort-Angebot?

Der wichtigste Unterschied ist, dass man an Onlinekursen zu jeder Uhrzeit und bequem von zu Hause aus teilnehmen kann. Das ist gerade jetzt, unter den Bedingungen und Einschränkungen der Corona-Pandemie, vielen sehr wichtig. Aber auch unter normalen Bedingungen haben viele pflegende Angehörige das Problem, dass sie wenig Zeit haben und wegen der Sorge um ihr pflegebedürftiges Familienmitglied sehr unflexibel sind. Viele verzichten daher auf einen Pflegekurs, der zu festen Zeiten an einem bestimmten Ort stattfindet. Für genau diese Menschen wurden Online-Pflegekurse, wie zum Beispiel unser DAK-Pflegecoach, entwickelt. 

Wie funktioniert ein Online-Pflegekurs genau?

Inhaltlich orientiert sich ein Online-Kurs an einem regulären Pflegekurs. Unser Pflegecoach besteht beispielsweise aus drei Teilen: Der Teil „Grundlagen der häuslichen Pflege“ ist vergleichbar mit einem „Basiskurs“, der grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten zur Pflege vermittelt. Im Teil „Alzheimer & Demenz“ geht es um die häusliche Pflege von an Demenz erkrankten Menschen. Der Themenbereich „Leben und Wohnen im Alter“ bietet einen schnellen und praktischen Überblick über Wohnformen im Alter. Der Kurs verbindet also praktische Pflegetipps mit allgemeinen Informationen über die Möglichkeiten einer häuslichen Versorgung.  

Wird in einem Online-Kurs auf die individuelle Situation der Teilnehmenden eingegangen?

In der Online-Variante fehlt natürlich die Möglichkeit, dass der Kursleiter den Teilnehmenden die Handgriffe hautnah vorführt, indem er etwa ihre Hand führt. Trotzdem kann auf die individuelle Situation des Einzelnen eingegangen werden. Bei uns besteht etwa die Möglichkeit, sich per E-Mail an Expertinnen und Experten zu wenden, um konkrete Fragen zu klären. 

Der Tipp unseres Experten: Warten Sie nicht, bis die Pflege eines Angehörigen Sie überfordert. Nehmen Sie an einem Pflegekurs teil. Denken Sie daran: Sowohl Vor-Ort-Pflegekurse als auch die Online-Varianten sind für Sie als pflegende/n Angehörige/n kostenlos.  

Weiterführende Informationen: Lesen Sie auch unsere Artikel zu den Themen „Häusliche Pflege“ sowie „Pflegebedürftige Menschen versorgen“. Zudem empfehlen wir Ihnen unsere Checkliste für pflegende Angehörige sowie unsere Checkliste für stark belastete pflegende Angehörige. Wichtige Informationen über ambulante Pflege können Sie hier nachlesen. 

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