Smartphones für Senioren: Beratung und Tipps

Rund die Hälfte aller Bürgerinnen und Bürger über 70 haben mittlerweile ein Smartphone – Tendenz steigend. Kein Wunder, denn Smartphones bieten viel mehr als nur die Möglichkeit, von unterwegs aus zu telefonieren. Sie sind kleine Taschencomputer, mit denen man Nachrichten erhalten und verschicken, im Internet surfen, Fotos in hoher Qualität schießen oder Videospiele spielen kann. Zudem lassen sich viele hilfreiche Apps nutzen, etwa Gesundheits-, Navigations- oder Notfall-Anwendungen.
Doch die vielen Einstellungs- und Nutzungs-Möglichkeiten machen die smarten Geräte recht komplex und gerade für technikunerfahrene Senioren schwierig zu bedienen. Daher bietet der Markt inzwischen spezielle Smartphones für Senioren an. Doch sind diese wirklich nötig? Reicht es nicht aus, ein gewöhnliches Smartphone seniorenfreundlich einzurichten? Und wo kann ein älterer Mensch lernen, sein Gerät zu nutzen? Diese und weitere Fragen beantworten uns Andreas Dautermann und Kristoffer Braun von Levato, die seit Jahren Smartphone- und Computer-Schulungen für Senioren durchführen.

Wodurch zeichnen sich Seniorensmartphones aus?

Senioren-Smartphones sind oftmals Android-Geräte, bei denen bestimmte Änderungen an der Bedienoberfläche vorgenommen wurden. Durch diese Änderungen soll die Bedienung leichter fallen. Doch ein Senioren-Smartphone ist nicht unbedingt für jeden Senioren die beste Wahl. Denn diese Geräte haben auch einen Nachteil: Da sie eine geringe Verbreitung haben und sich in der Bedienung stark von gewöhnlichen Smartphone-Modellen unterscheiden, gibt es im Umfeld der Nutzerinnen und Nutzer meist niemanden, den man mal flott um Rat bitten kann. 

Andreas Dautermann und Kristoffer Braun

Geschäftsführer von Levato

Können auch gewöhnliche Smartphones von ihren Nutzern so ausgestattet und eingestellt werden, dass sie genauso seniorenfreundlich wie Seniorensmartphones sind?

Hier stellt sich vor allem die Frage, ob an den Geräten wirklich eine grundlegende Änderung in der Ausstattung oder an der Bedienoberfläche nötig ist oder ob es nicht sinnvoller ist, den Senior oder die Seniorin durch eine bedarfsgerechte Schulung an die Bedienung der handelsüblichen Geräte heranzuführen. Wir plädieren für letzteren Weg und zeigen in unseren Online-Kursen, wie die normalen Smartphones im Alltag von jeder Seniorin und jedem Senior genutzt werden können.

Wie sollte man ein gewöhnliches Smartphone einstellen, damit es möglichst seniorengerecht ist?

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Größe der Symbole und der Schrift zu verändern. Es gibt einen ganz simplen Schieberegler in den Einstellungen, der die Standardgröße aller Texte und Symbole um einen festgelegten Faktor vergrößern kann. Dadurch sind die oft viel zu kleinen Texte am Smartphone besser lesbar.

Welche Apps können nützlich für ältere Menschen sein?

Grundsätzlich sind für ältere Menschen die gleichen Apps interessant, die auch für jüngere interessant sind. Die meisten Menschen machen gerne Fotos oder schreiben mit Freunden, Familie oder Bekannten. Egal, in welchem Alter. Es gibt aber auch einige Apps, die besonders für ältere Menschen sinnvoll sind, zum Beispiel Gehirnjogging-Apps, Anwendungen zum Gesundheitsmonitoring oder Notfall-Apps, über die man schnell Hilfe anfordern kann.

Welches Betriebssystem eignet sich am besten für Senioren?

Wir geben den Menschen immer den Rat, bei dem zu bleiben, was sie schon kennen. Das heißt, keinen Wechsel von Android zu Apple oder umgekehrt durchzuführen. Der Umstieg ist meist sehr durch Frust geprägt, weil vieles anders funktioniert und anders aussieht. Der zweite Rat ist, das System zu verwenden, das im engsten Freundes- und Familienkreis am häufigsten genutzt wird. Dadurch sind Ansprechpartner vor Ort vorhanden, was unbezahlbar und außerordentlich hilfreich ist.

Was sind häufige Fragen oder Probleme, die ältere Menschen bezüglich der Nutzung eines Smartphones haben?

Eine große Angst besteht davor, durch Nutzung von Apps versehentlich Geld auszugeben oder in eine Kostenfalle zu tappen. Hier kann man grundsätzlich Entwarnung geben. Wenn keine Zahlungsdaten angegeben wurden, also keine Kreditkarte oder Bankdaten im Handy hinterlegt sind, dann kann auch kein Geld ausgegeben werden – weder absichtlich noch unabsichtlich. Die weiteren Probleme liegen vor allem darin, dass viele Leute einfach nicht wissen, wo eine Funktion „versteckt“ ist, die sie suchen oder von der sie gehört haben. 

Welche Sicherheitstipps würden Sie älteren Smartphone-Nutzern mitgeben? 

Was die Sicherheit betriff, kann man Smartphone-Nutzer zunächst einmal beruhigen. Die Sicherheitslage ist bei Smartphones längst nicht so schlimm wie in der Computerwelt. Dennoch sollte man auch bei der Nutzung mobiler Geräte Vorsicht walten lassen.  
 
Viele Leute glauben, ein Sicherheitsprogramm zu installieren, würde eine nahezu hundertprozentige Sicherheit bewirken, und man wäre sorgenfrei. Das stimmt aber leider nicht. Zu beachten ist hier, dass die kriminellen Aktivitäten beim Smartphone anders gestrickt sind. Cyberkriminelle versuchen meist nicht, mittels Sicherheitslücken oder cleverer Programmierung das Smartphone zu knacken. Ihr Ansatz ist anders: Sie versuchen, die Nutzer zu einer leichtsinnigen Handlung zu bewegen, die ihnen schadet. Hier hilft keine App, sondern nur ein wachsames Auge und vorsichtiges Agieren.

Falls kein Angehöriger, Nachbar oder Freund zur Verfügung steht: Wo können sich Senioren zeigen lassen, wie ein Smartphone funktioniert?

Ganz häufig ist es so, dass Senioren ihre Smartphones von ihren Kindern oder Enkeln geschenkt bekommen. Letztere nehmen sich allerdings nicht immer die nötige Zeit, um Oma oder Opa auch zu erklären, was man alles mit dem Smartphone machen kann. Oft bleiben viele Fragen offen. Zwar finden sich im Netz viele Seiten mit Anleitungen sowie auch YouTube-Tutorials, in denen Funktionen und Einstellungsoptionen von Smartphones erklärt werden. Doch diese Angebote sind meist eher oberflächlich und somit nur bedingt hilfreich. Es gibt aber mittlerweile eine Vielzahl von Smartphone-Kursen für Senioren, die beispielsweise von Volkshochschulen oder Seniorenvereinen angeboten werden. Neben den Vor-Ort-Veranstaltungen gibt es auch Online-Kurse wie etwa unseren Kurs. In professionellen Smartphone-Schulungen werden die Teilnehmer genau dort abgeholt, wo sie sich gerade befinden, und ihnen wird alles erklärt, was sie wissen möchten.

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Der Tipp der Experten

Viele Senioren haben auch Angst vor dem Verlust ihrer Fotos und Daten. Um sich hier abzusichern, kann man ganz einfach ein Backup erstellen. Hierbei werden alle Bilder, SMS-e, WhatsApp-Nachrichten und Apps auch in einer Cloud – also einem externen Speicherort – abgelegt. Dann gehen sie nicht verloren, wenn etwa das Smartphone kaputtgeht.

Weiterführende Infos: Hochwertige Seniorenhandys und Seniorentelefone finden Sie in unserem Hilfsmittelportal
Warum digitale Geräte auch für die ältere Generation zunehmend unverzichtbar werden und wo Senioren den Umgang mit Computern und Smartphones lernen können, erfahren Sie in unserem Experten-Interview „Digitale Wege aus der Einsamkeit“.

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