Telemedizin – per Videosprechstunde zum Arzt

Wer heutzutage zu einem Arzt in die Sprechstunde gehen möchte, muss dafür nicht unbedingt das Haus verlassen – er oder sie kann sich auch über den eigenen Computer oder das eigene Smartphone vom Arzt beraten lassen. Die Rede ist von Telemedizin. Hierbei sprechen Ärzte und Patienten über Kommunikationssoftware miteinander und überbrücken dadurch räumliche Trennungen. Mittels telemedizinischer Anwendungen können sich aber auch Ärztinnen und Ärzte untereinander besser austauschen, einander unterstützen und Daten übermitteln, wodurch eine bessere Patientenversorgung erreicht werden kann.

Eine Gruppe, die besonders von der Telemedizin profitieren kann, sind ältere und pflegebedürftige Menschen. Doch die meisten von ihnen wissen nur wenig oder gar nichts über die Möglichkeiten telemedizinischer Versorgung. Wie genau funktionieren entsprechende Angebote? Wo gibt es sie? Und inwiefern können sie einen Vor-Ort-Besuch beim Arzt tatsächlich ersetzen? Diese und weitere Fragen beantwortet uns Dr. Daniel Schneider, General Manager beim telemedizinischen Anbieter Kry. 

Herr Schneider, wie genau funktionieren telemedizinische Angebote und welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Um in eine Videosprechstunde zu gehen, braucht man lediglich einen Internetzugang und ein internetfähiges Gerät mit Kamera und Mikrofon. Einen Arzt oder eine Ärztin, der oder die eine Videosprechstunde anbietet, zu finden und einen möglichst zeitnahen Video-Termin zu ergattern, konnte bisher allerdings recht schwierig und aufwendig sein. Daher haben wir eine Anwendung entwickelt, welche die Suche möglichst einfach macht.  
 
Mit unserer Kry-App kann man innerhalb weniger Minuten einen Videosprechstunden-Termin finden und direkt buchen. Durch einen Fragebogen werden bereits im Vorfeld Symptome abgefragt, sodass sich die Fachärztin oder der Facharzt auf die Sprechstunde vorbereiten kann. Die Ärztin oder der Arzt ruft dann den Patienten zum gebuchten Termin an. Bei Bedarf erhält man ein Rezept, eine Krankschreibung oder eine Überweisung. Die Medikamente können postalisch zugesendet oder in der Wunschapotheke gekauft werden.  

Dr. Daniel Schneider

General Manager bei Kry

Wie wird bei Videosprechstunden abgerechnet?

Die Abrechnung erfolgt genau wie in der Vor-Ort-Sprechstunde: Die Ärztin oder der Arzt rechnet bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten die Leistung direkt mit der Krankenkasse ab, bei Privatversicherten wird die Rechnung wie gewohnt ausgestellt. Die Kosten der Videosprechstunden erstatten alle deutschen Krankenkassen. Für die Patientinnen und Patienten gibt es keine weiteren Kosten.

Inwiefern kann eine digitale Sprechstunde einen persönlichen Arztbesuch ersetzen?

Telemedizin kann und wird nie die Hausärztin oder den Hausarzt ersetzen, sie kann die konventionelle medizinische Versorgung aber gut ergänzen. Videosprechstunden sind dann eine Alternative zum Vor-Ort-Termin, wenn eine physische Untersuchung der Patientin oder des Patienten nicht erforderlich ist. Häufige Anliegen in Videosprechstunden sind beispielsweise Allergien, Hautprobleme, Atemwegserkrankungen oder Verdauungsstörungen. Je nach Symptomen kann auch der Hinweis erfolgen, dass ein Arztbesuch vor Ort notwendig ist.

Welche Vorteile haben telemedizinische Versorgungsangebote für ältere und bewegungseingeschränkte Menschen?

Ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität profitieren natürlich besonders von telemedizinischen Angeboten, denn diese können ihnen den Weg zur Ärztin oder zum Arzt und somit viel Mühe ersparen. Sie erhalten ärztliche Beratung in der Sicherheit des eigenen Zuhauses. Damit vermeiden sie auch erhöhte Ansteckungsrisiken in überfüllten Praxen – etwas, was gerade für Seniorinnen und Senioren sehr wichtig sein kann.  

Oft wird behauptet, dass Telemedizin vor allem in ländlichen Räumen eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen medizinischen Versorgung sein kann. Warum?

In vielen ländlichen Regionen fehlt es an Fachmedizinerinnen und -medizinern, sodass der Arztbesuch oft mit langen Anfahrtswegen und Wartezeiten einhergeht. Daher sind dort telemedizinische Alternativen oft besonders willkommen. Diese können übrigens auch für eine Entlastung der ländlichen Praxen sorgen, sodass dann mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten bleibt, die auf einen Termin vor Ort zur Untersuchung angewiesen sind.  
Aber auch in Ballungszentren kann der Bedarf nach Videosprechstunden hoch sein, wenn dort Terminnot herrscht. Wer den digitalen Weg wählt, muss nicht wochenlang auf einen Termin warten – mit etwas Glück kann man vielleicht sogar innerhalb von Minuten mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Das ist auch dann sehr hilfreich, wenn man bestimmte Symptome spontan abklären lassen will, um Ruhe zu finden. 

Wie steht es um den Datenschutz im Bereich der Telemedizin?

Bei der Telemedizin gelten grundsätzlich die gleichen datenschutzrechtlichen Vorschriften wie auch in der konventionellen medizinischen Versorgung. Hier muss man sich also keine Sorgen machen. Die digitale Kommunikation mit Ärztin oder Arzt ist sicher verschlüsselt – es besteht keine Gefahr, dass jemand mithört oder mitliest. Das überprüft auch der TÜV und stellt ein Zertifikat aus.  

Weiterführende Infos: Damit auch ältere Menschen telemedizinische Angebote nutzen könne, müssen sie den Umgang mit digitalen Geräten beherrschen. Wo sie diesen lernen können, erfahren Sie in unserem Experteninterview „Digitale Wege aus der Einsamkeit“. Hochwertige Seniorenhandys finden Sie hier.

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