Tagespflege bringt Abwechslung

Eine Tagespflegeeinrichtung ist ein Ort, an dem Pflegebedürftige tagsüber in betreuter Umgebung bedarfsgerechte Beschäftigung finden und mit anderen Menschen zusammenkommen. Das ist gerade für Seniorinnen und Senioren sehr wichtig, denn sie haben oft nur noch wenige soziale Kontakte und es fehlt ihnen an Abwechslung. Tagespflege empfiehlt sich insbesondere dann, wenn ältere Menschen viele Stunden am Tag allein verbringen müssen – etwa wenn der oder die pflegende Angehörige auf der Arbeit ist.  
Die Tagespflege bietet aber auch eine willkommene Entlastung für Pflegepersonen. Sie macht es vielen von ihnen einfacher, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren. Zudem verschafft sie die Möglichkeit, sich auch einmal um sich selbst zu kümmern. Dies ist gerade für Menschen im Rentenalter, die etwa ihren Partner pflegen, ein Segen.  
Doch was genau kann Tagespflege, wie sieht sie in der Praxis aus und wie lässt sie sich finanzieren? Darüber haben wir mit Beate Wolff, Leiterin des Fachbereichs Pflege & Betreuung bei der Diakonie-Pflege Simeon gGmbH, gesprochen.  

Frau Wolff, ist die Tagespflege eine sinnvolle Ergänzung zur ambulanten Pflege?

Ambulante Pflege und Tagespflege lassen sich wunderbar miteinander kombinieren. In der Praxis kann dies beispielsweise so aussehen: Eine Seniorin hat Schwierigkeiten, morgens aufzustehen – sie ist etwas wackelig auf den Beinen. Die Pflegekräfte eines ambulanten Dienstes helfen ihr, aus dem Bett zu kommen, sich zu waschen und sich anzukleiden. Anschließend wird sie vom Fahrdienst ihrer Tagespflegeeinrichtung abgeholt und in die Einrichtung gebracht. 

Für die Tagespflege und die ambulante Pflege stellt die Pflegekasse jeweils ein gleich großes Budget zur Verfügung. Ebenfalls genutzt werden kann der Betrag nach § 45b für die sogenannten Entlastungsleistungen, auf die jeder Pflegebedürftige Anspruch hat. Werden die Beträge für die Tagespflege und die Entlastungsleistungen nicht genutzt, verfallen sie.  

Beate Wolff

Leiterin des Fachbereichs Pflege & Betreuung bei der Diakonie-Pflege Simeon gGmbH

Wie sieht der Tagesverlauf in Ihren Tagespflegeeinrichtungen aus?

Die Gäste werden am Morgen – etwa ab 8 Uhr – zur Einrichtung gebracht, entweder von Angehörigen oder vom Fahrdienst. Sie werden in Empfang genommen und können frühstücken. Anschließend wählen sie zwischen verschiedenen Beschäftigungsangeboten, die gruppenweise genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Gesprächsrunden, das Vorlesen von Büchern oder Zeitungen, das Anschauen von Fotos, Gartenarbeit oder Mithelfen bei der Zubereitung einer Mahlzeit. Dann folgt das gemeinsame Mittagessen und daran anschließend die Mittagsruhe. Für die Ruhezeit, die etwa eine Stunde dauert, haben wir spezielle Ruhesessel, die sich nach hinten klappen lassen, sodass man darauf liegen kann. Die Mittagsruhe ist aber optional – für diejenigen, die darauf verzichten möchten, werden Aktivitäten gefunden. 

Nach der Ruhezeit gibt es weitere Beschäftigungsangebote. Diese sind sehr vielfältig und reichen von Ratespielen und Gedächtnistraining über Bingo bis hin zu klassischen Karten- und Brettspielen. Nachmittags gibt es zudem noch ein gemeinsames Kaffeetrinken. Ein Abendessen wird nicht angeboten, denn Tagespflegeeinrichtungen sind nur bis zum Nachmittag geöffnet. 

Das Personal einer Tagespflegeeinrichtung unterstützt die Gäste je nach Bedarf beim An- und Auskleiden, der Medikamenteneinnahme oder einem Toilettengang. Allerdings sollte die morgendliche Körperpflege, als das Waschen oder Rasieren, schon zu Hause erledigt worden sein.  

Empfiehlt sich Tagespflege auch für Menschen mit Demenz?

Unbedingt. Auch demenziell veränderte Menschen haben das Bedürfnis, mit anderen zu kommunizieren und sich in einer Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen. Wichtig ist, dass man ihnen das Gefühl gibt, dass sie sich in einer sicheren Umgebung befinden. Wenn sie sich an die Einrichtung gewöhnt haben, ist das Personal häufig wie eine zweite Familie für sie. 

Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Gewöhnung an die neue Umgebung und an die anderen Menschen in der Einrichtung nicht gelingt.  Man muss immer im Einzelfall schauen, ob die Tagespflege für den jeweiligen Menschen das Richtige ist. 

Wie setzen sich die Kosten für Tagespflege zusammen?

Da sind zunächst einmal die Kosten für die Pflege und Betreuung, die anteilig von der Pflegekasse getragen werden. Die Höhe des Eigenanteils hängt dabei vom Pflegegrad ab. Darüber hinaus müssen die Gäste beziehungsweise ihre Angehörigen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die Ausbildungsumlage sowie die Investitionskosten bezahlen. Sofern der Fahrdienst genutzt wird, muss auch für ihn gezahlt werden. 

Wie viel die Tagespflege insgesamt kostet, hängt auch davon ab, an wie vielen Tagen in der Woche die Einrichtung besucht wird. Manche Gäste sind etwa nur an einem Tag da, andere kommen an mehreren Wochentagen – und müssen entsprechend mehr bezahlen. 

Falls jemand trotz der Unterstützung durch die Pflegekasse die Kosten für teilstationäre Pflege nicht stemmen kann, hilft dann das Sozialamt?

Prinzipiell ist es immer möglich, Unterstützung beim Sozialamt zu beantragen, wenn ein Bedarf nachgewiesen werden kann. Das gilt auch für die Tagespflege. Wer für die Kosten der teilstationären Pflege nicht aufkommen kann, hat also auch hier die Möglichkeit, Sozialhilfe zu beantragen. Zu beachten ist allerdings, dass zunächst einmal die eigenen Vermögenswerte für die Finanzierung eingesetzt werden müssten.   

Thema Corona-Krise. Welche Regelungen gelten aktuell für Tagespflegeeinrichtungen?

Nachdem die Tagespflegeeinrichtungen im März 2020 deutschlandweit schließen mussten, konnten sie im Sommer ihren Betrieb wieder aufnehmen – allerdings mussten sie ihre Auslastung auf 50 Prozent beschränken. Damit sollte sichergestellt werden, dass die obligatorischen Abstände zwischen den Gästen eingehalten werden. Diese Beschränkung wurde später gelockert. Die Einrichtungen können nun theoretisch mehr Gäste aufnehmen, müssen aber nachweisen, dass die Abstände weiterhin eingehalten werden können. Neue Gäste werden in dieser Situation nur noch selten aufgenommen. Die bestehenden müssen sich oft damit abfinden, dass sie nun weniger Male pro Woche in die Einrichtung fahren können. Das Ganze fair und für die Gäste nachvollziehbar zu regeln, ist für die Betreiber eine echte Herausforderung.  

Der Tipp unserer Expertin:  Tagespflegeeinrichtungen bieten in der Regel einen oder zwei Probetage an. Machen Sie davon Gebrauch, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben! Und: Schauen Sie sich am besten mehr als eine Einrichtung an, vergleichen Sie und entscheiden Sie dann. 

Weiterführende Infos: Mehr Informationen rund um Tagespflege finden Sie in unserem Beitrag über teilstationäre Pflege. Lesen Sie auch unser Experteninterview zum Thema „Tagespflege für Menschen mit Demenz“.

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