Tagespflege für Menschen mit Demenz

Eine Tagespflege speziell für Menschen mit Demenz ist eine wertvolle Einrichtung für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Angehörigen. Hier werden die Gäste so angenommen, wie sie sind, und in ihren vorhandenen Fähigkeiten gefördert und gefordert. Das Gemeinschaftsgefühl und das positive Miteinander stärken die Zufriedenheit der Betroffenen und führen zu mehr Wohlbefinden. Für die Angehörigen stellt die Tagespflege eine Möglichkeit dar, an einem oder mehreren Tagen in der Woche Freiraum zu haben, um eigene Termine wahrzunehmen und sich von der Pflege zu erholen. So schöpfen sie neue Kraft für die anspruchsvolle Pflege und Betreuung ihrer demenziell veränderten Angehörigen.

Frank Kadereit, Geschäftsführer der EVIM Altenhilfe, beantwortet uns wichtige Fragen zum Thema Tagespflege für Menschen mit Demenz.  

Herr Kadereit, Menschen mit Demenz mögen in der Regel keine häufigen Ortwechsel und neuen Kontakte. Warum kann Tagespflege trotzdem auch für sie empfehlenswert sein?

Sofern eine Pflegeeinrichtung überschaubare Räumlichkeiten und Gruppengrößen hat, wie es bei unserer Tagespflege der Fall ist, kann sie ein sehr angenehmer Ort für Menschen mit Demenz sein. Wenn sich die Gäste in der Tagespflege wohlfühlen, akzeptieren sie diese schnell als Teil ihres Alltags. Der wiederkehrende ritualisierte Tagesablauf gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Dabei ist es wichtig, dass die Pflegekräfte gut ausgebildet sind und eine empathische sowie wertschätzende Art haben. Dann fühlen sich die demenziell veränderten Gäste schon nach wenigen Tagen sicher in der neuen Umgebung.  

Frank Kadereit,
Geschäftsführer der EVIM Altenhilfe

Wie reagieren die demenzerkrankten Menschen in den ersten Tagen auf die neue Umgebung, in der sie immerhin einen beträchtlichen Teil des Tages verbringen?

Zu Beginn sind sie natürlich sehr aufgeregt und versuchen, nicht aufzufallen. Alles ist ja neu. Je mehr sie aber merken, dass sie an diesem Ort angenommen werden, und zwar genau so, wie sie sind, desto mehr entspannen sie sich. Meist dauert es nicht lange, bis sie ihren Aufenthalt in der Einrichtung genießen können.  

Dürfen Angehörige in der Anfangszeit dabei sein, bis sich die demenzkranke Person an die Tagesstätte gewöhnt hat?

Je nach individuellem Bedarf ist es bei uns möglich, dass eine enge Bezugsperson den Gast für eine gewisse Zeit begleitet. Die Bezugsperson wird dabei nach und nach durch das Personal abgelöst. Das Ganze muss aber vorher abgesprochen werden, um nicht die anderen Gäste zu irritieren. 

Wie wirkt sich der Kontakt mit anderen demenzkranken Menschen auf den Einzelnen aus?

In unserer Tagespflege wird die Interaktion zwischen den Gästen gefördert und begrüßt. Der Kontakt wirkt sich in der Regel positiv aus, da die Gäste sehen, dass auch andere mit den gleichen oder ähnlichen Defiziten und Schwierigkeiten umgehen müssen. Es entsteht dadurch ein Gemeinschaftssinn, der den Betroffenen ein gutes Gefühl vermittelt. Der Kontakt mit anderen Menschen ist elementar: Er fördert die geistige Aktivität.  

In der Tagesstätte werden die Fähigkeiten der Demenzkranken gefördert. Wie darf man sich das vorstellen?

Wir fördern unsere Gäste sowohl durch geistige als auch durch körperliche Aktivitäten. Dazu zählen zum Beispiel gemeinsames Zeitunglesen, Kraft- und Balancetraining, Gymnastik oder auch einfach nur anregende Tischgespräche. Musik und gemeinsames Singen spielen hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Betreuerinnen und Betreuer gehen dabei stets sehr vorsichtig und sensibel mit den Gästen um und berücksichtigen immer die Stärken und Schwächen sowie den biografischen Hintergrund des Einzelnen.   

Zahlt die Kasse auch bei demenzerkrankten Menschen für die Tagespflege?

Die Kosten werden je nach Pflegegrad zum großen Teil von der Pflegekasse getragen (pflegebedingte Kosten). Für die Angehörigen bleibt noch ein Eigenanteil, der sich aus Beiträgen für Unterkunft, Verpflegung, Ausbildungsumlage und Investitionskosten zusammensetzt. 

Der Tipp des Experten: Sollten Sie Tagespflege für eine/n demenerkrankte/n Angehörige/n in Erwägung ziehen, empfiehlt es sich, schnell zu handeln. Denn freie Plätze sind meist schnell weg und Interessenten werden oft auf eine Warteliste gesetzt. 

Weiterführende Infos: Reicht eine Tagespflege-Einrichtung nicht aus, um eine lückenlose Betreuung Ihres demenzerkrankten Angehörigen sicherzustellen, müssen Sie eventuell einen Platz in einem Pflegeheim finden. Alternativ besteht aber auch die Möglichkeit, Ihren Angehörigen in einer sogenannten Demenz-WG unterzubringen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier. Lesen Sie auch unser ausführliches Dossier zum Thema Demenz sowie unseren Artikel Pflege bei Demenz

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